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Fruchtig-feuriges Kultobjekt

Mal schmeckt sie leicht süßlich, mal brennt sie auf der Zunge. Sie kann Schweißausbrüche auslösen oder uns gar zum Weinen bringen. Die Chili hat viele Facetten und lässt nach dem Verzehr die unterschiedlichsten Gesichtsausdrücke entstehen. Keine Frage: Diese Frucht lässt niemanden kalt und die Fangemeinde wächst ständig.

Fast jede Pflanze wird von einem kleinen, aber feinen Kreis von Liebhabern gesammelt. Bei den Zierpflanzen dürfte die Rose unumstrittener Star sein, und beim Gemüse sind zahllose Genussgärtner von der Sortenvielfalt der Tomate fasziniert. In den vergangenen Jahren hat die Tomate Konkurrenz bekommen – und zwar aus der eigenen Familie, denn die Chili gehört ebenfalls zu den Nachtschattengewächsen. Während bei der Tomate das Motto gilt: Je intensiver das Aroma, desto besser, kommt es bei der Chili durchaus auf die Dosis an.

Vorsicht Suchtgefahr!

Meist fängt es ganz harmlos an: Vielleicht mit einem Setzling von einem Chili-Sammler, der eine seiner Pflanzen verschenkt. Ein gutes Geschenk sind diese Gewächse immer, denn sie eignen sich für die Topfkultur und können so auch von jenen Gartenbesitzern kultiviert werden, die kein eigenes Gemüsebeet haben. Wer den Pflanzen viel Sonne, Nährstoffe und Wärme bietet, kann die Entwicklung der Früchte beobachten. Besonders hübsch sind jene Sorten, deren Früchte häufig die Farbe wechseln. So wie ‘Bolivian Rainbow’: Das Farbspiel beginnt mit dunklem Violett, wechselt zu Grün über Pastellgelb und Orange hin zu knalligem Rot. Diese Sorte liefert nicht nur scharfe bis sehr scharfe Früchte, sondern macht auch als Zierpflanze eine gute Figur.

Anders als die Tomaten werden Chilis nicht von der gefürchteten Kraut- und Braunfäule befallen. Es macht also Freude, die Früchte beim Reifen zu beobachten, und wer eine Sorte erfolgreich kultiviert hat, möchte meist weitere ausprobieren. Genug wird man nie haben, denn wie viele Sorten es tatsächlich gibt, ist selbst unter Experten unklar. Chili-Liebhaber gehören also zu jenen Menschen, deren Sammlung wahrscheinlich nie vollständig ist. Ihnen wird nie langweilig: Sie entdecken Jahr für Jahr neue Sorten für sich.

Woher kommt das Feuer?

Wie die bekannte Gemüsepaprika gehört die Chili zur Gattung Capsicum und stammt aus Südamerika. Ob der jeweilige Vertreter dieser Gattung süßlich schmeckt oder ein Feuerwerk auf der Zunge entfacht, hängt von dem Gehalt an Capsaicin ab. Je mehr von diesem Alkaloid in der Frucht enthalten ist, desto schärfer schmeckt sie. Besonders hoch konzentriert ist der Inhaltsstoff in den Samen und den hellen Samenscheidewänden. Bei scharfen Sorten empfiehlt es sich, diese Teile der Frucht zu entfernen und dabei Handschuhe zu tragen: Wer sich nach der Zubereitung von ’Habanero’ zum Beispiel in einem unbedachten Moment die Augen reibt, muss anschließend mit den Tränen kämpfen und wird das Brennen lange nicht vergessen. Und auch das kommt immer wieder vor: Die zum Würzen mitgekochte Chili wird aus Versehen verzehrt und lässt ein Feuer auf der Zunge lodern. Dieses wird übrigens am besten mit Joghurt oder trockenem Brot gelöscht und niemals mit Wasser.

Unverhofft brennt oft

Der scharfe Wirkstoff der Chilifrucht gilt übrigens als sehr gesund, stärkt die Abwehrkräfte und wird sogar äußerlich in Wärmepflastern gegen Rückenschmerzen angewandt. Und natürlich gibt es auch sanftere Chilis wie die Sorte ‘Pimientos de Padron’. Sie zeigt sich zunächst grün, färbt sich in der Vollreife rot und gehört zu jenen Chilis, die in Spanien mit grobem Meersalz als Vorspeise serviert werden. Allerdings kann es auch bei dieser Sorte zu unerwarteten Geschmackserlebnissen kommen: Einzelne Früchte können durchaus auf der Zunge brennen. Wie scharf eine Chili tatsächlich schmeckt, hängt nämlich auch vom Standort ab: Früchte, die viel Sonne abbekommen, schmecken schärfer als jene, die leicht beschattet waren. Chilis sind also immer für eine Überraschung gut und sorgen für spannende Momente im Koch- und Pflanzentopf.

Text
Stefanie Syren