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Der Weg ist das Ziel

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Der Weg ist das Ziel

Gartenwege können so verschieden sein, wie die Menschen, die auf ihnen wandeln. Manche lassen sich Zeit und schlendern in sanften Kurven zum Ziel. Viele setzen auf den direkten Zugang und kommen geradewegs zum Punkt. Am wichtigsten ist, dass der Weg den Garten erschließt, zur Architektur des Hauses passt und man auf ihm gut ankommt.

Alle Wege führen bekanntlich nach Rom. Dennoch spielt die Entscheidung, ob und wie ein Weg durch den Garten führt, von Beginn des planerischen Prozesses an eine wichtige Rolle. Wann ein Gartenbesitzer ganz auf einen Weg verzichten muss, erklärt Arthur Ferber, Gärtner von Eden aus Dinkelscherben bei Augsburg. „Auf kleinen Grundstücken, zum Beispiel beim Reihen- oder Stadthaus, kommt man besser ohne Weg klar, weil dieser ja eine bestimmte Breite haben muss. Hier kann man mit Schrittplatten aus Natur- oder Betonstein den Garten gliedern“, sagt der Gartenexperte. „In einem Stadtgarten mit nur 50 bis 60 Quadratmetern wird man passendere Ausdrucksformen für die Persönlichkeit des Kunden finden“, bestätigt sein Kollege Christian Albrecht aus Hallstadt bei Bamberg.

Gemähte Wege versus Trampelpfade

Doch auch in größeren Gärten verzichten Gartenexperten bewusst auf das Anlegen von Wegen, wenn etwa der Gartentyp es nahelegt oder der Kunde den Wunsch äußert. Dann reicht einfach ein Rasen, eine Wiese oder eine Fläche mit organischem Material wie Rindenmulch – ein häufiges Bild in Naturgärten. Da der Mensch aber normalerweise immer den kürzesten Weg zu seinem Ziel geht, empfiehlt Arthur Ferber auch gelegentlich gegen den Kundenwunsch, einen festen Weg zwischen oft begangenen Orten im Garten anzulegen, weil sonst hässliche Trampelpfade entstehen. Eine ebenso praktische wie schöne Art, die „Wege-Affinität“ im eigene Garten zu testen, hat er für unentschlossene Kunden im Programm: „Wer eine Blumenwiese hat und noch unschlüssig ist, kann sich zunächst für einen gemähten Weg entscheiden.“ Witziger Nebeneffekt: Die Wegführung lässt sich so mehrfach im Jahr ändern.

Form folgt Funktion

„Wichtig ist immer die Frage: Wohin soll der Weg führen?“, sagt Christian Albrecht. „Wenn zum Beispiel im Garten Kaminholz gelagert wird und man im Winter viel Holz holt, dann liegt die Anlage eines sauberen Weges mit Pflasterplatten nah. Das Ziel: trockenen Fußes vom Haus und zurückkommen.“ Wege sollen also von A nach B führen, sie können aber den Garten auch in verschiedene Pflanz- und Nutzbereiche gliedern. „Wege sind wie Lebensadern“, schwärmt Arthur Ferber. „Mit ihnen erschließt man sich Räume im Garten: vom Sitzplatz unterm Baum über den Pool bis zum Vorgarten, ebenso wie außergewöhnliche Perspektiven.“ Demnach kann ein Fleckchen im Garten noch so schön sein: Gibt es keinen Weg dorthin, bleibt es ungenutzt.

Wie die Funktion die Form des Weges beeinflusst, sieht man heute klassischerweise an den unterschiedlichen Pfaden öffentlicher Parks, die entweder ganz gezielt die Blicke des Spaziergängers auf Highlights lenken oder hinter verschlungenen Kurven die nächste Überraschung parat halten. „Auch in Bauerngärten sieht man sehr schön, dass die Funktion die Wegmerkmale bestimmt: möglichst direkt, gerade und formal – arbeitsbezogen eben“, erklärt Ferber. In Privatgärten hängt die Art der Wegführung stark vom Stil des Hauses ab. „Bei Designhäusern wird man eine eher gradlinige Wegführung mit klaren Strukturen bevorzugen; ländliche Häuser erfordern geschwungene, verspielte Varianten“, erläutert Christian Albrecht. So spiegelt der Garten wie ein Wohnzimmer unter freiem Himmel immer auch das architektonische Konzept des Hauses und sein Interieur bis in die Wegführung hinein wider.

Griffig und sicher

Die Planung der Wegführung folgt also praktischen und ästhetischen Erwägungen. Ausschlaggebend sind neben der Architektur des Hauses und der Größe des Gartens auch dessen Proportionen und seine Nutzung. „Wenn der Besitzer im Garten arbeiten möchte und viel mit Gartengerät unterwegs ist, aber auch wenn mehrere Personen im Garten aktiv sind, wird man die Wege natürlich breiter anlegen“, erklärt Arthur Ferber. Wie man mit Höhenunterschieden oder Unebenheiten umgeht, hängt ebenfalls von den Gartennutzern ab. Älteren Menschen und kleinen Kindern sollte man Treppen oder Steigungen ersparen, rät der Gartengestalter. Hier sind das Anpassen des Terrains oder auch Rampen Mittel der Wahl. Und bitte die Sicherheit nicht vergessen, mahnt Ferber: „Die Griffigkeit des Belages muss für Wege viel höher sein als etwa für Terrassen.“ Deshalb kommt Holz, das bei Feuchtigkeit zu glatt wird, eher selten als Wegbelag zum Einsatz; wenn doch, dann als verlängerter Steg am Schwimmteich oder in gehäckselter Form.

Schöne Steine, sandige Wege

Wege lassen sich mit Beton- oder Naturstein, mit Kies oder Splitt anlegen. Auch organische Beläge wie Rinde und Häcksel oder wassergebundene Wegdecken mit hellem Kalk- oder dunklem Basaltbrechsand sind möglich. „Ihr Vorteil: Sie lassen sich sehr schön in natürliche Gärten eingliedern“, sagt Christian Albrecht. Der Nachteil – Feines hängt an den Sohlen, Gröberes in den Stollen der Schuhe – lässt sich durch Abtritte in der Wegführung, etwa vor der Terrasse, auffangen.

Kann man von der Art des Belages auf den Gartentyp schließen? Nein, meint Gartenexperte Albrecht: „Auch Naturstein wird im Designergarten verbaut.“ Hier spricht eher der Zuschnitt des Belages Bände: Großflächige Platten und ungewöhnliche Formen (etwa eine Breite und verschiedene Längen) bringen eher in den Designer-Garten Struktur. Kleinere Pflastersteine kommen bei geschwungenen Wegen zum Einsatz, finden sich also in vielen Naturgärten. Wilde Mischungen von Belägen, da sind sich die Experten einig, sollte man unbedingt vermeiden, und bei Wegeinfassungen müssen Farbe und Oberflächenstruktur mit dem Wegbelag harmonieren, so zum Beispiel Anthrazit zu grauem Sichtbeton oder kleinere Würfel, die die Natursteinplatte einfassen.

Formvollendet beleuchten

So schön und elementar das Thema für die Gartenplanung ist: Der Weg sollte nie so dominant sein, dass er in Konkurrenz zur Bepflanzung steht. Hier heißt das Motto: gliedern ja, ablenken nein. Erlaubt ist natürlich eine schöne Beleuchtung, die den Weg durch den Garten für Nachtwandler sicher macht und das Bild stimmungsvoll in Szene setzt. Ob Lichtpunkte am Wegesrand oder in Stufen integriert, Spots auf eine aparte Pflanze gerichtet oder eine punktuelle Beleuchtung mit interessanten Leuchtkörpern: Vieles ist möglich, nur blenden darf nichts.

Danach gefragt, auf welchen Pfaden sie selbst am liebsten wandeln, geben die Gartenexperten bereitwillig Auskunft und zeigen damit die wunderbare Bandbreite der Wegführung im Garten. Christan Albrecht liebt seinen Garten „gradlinig und schön strukturiert, mit Gräsern und Stauden“; Arthur Ferber schätzt in seinem Feriendomizil mit Naturgarten und Blockhaus „organische, geschwungene Formen“. Sein Stadtgarten wiederum sei klein und – ganz ohne Wege – von hölzernen Stegen um einen Schwimmteich bestimmt. Fazit: In seinem eigenen, persönlichen Gartentraum kommt man über jeden Weg zum Ziel.

 

Text
Kathrin Melzer