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Die Schönen und das Gift

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Die Schönen und das Gift

Prächtige Blüten, leuchtende Farben, betörender Duft –  es gibt Pflanzen, die nicht mit Reizen geizen und deshalb in vielen Gärten zu finden sind. Beim Umgang mit einigen Arten ist jedoch Vorsicht geboten, denn sie schützen sich und ihre Schönheit vor dem Gefressen werden, und zwar nicht nur mit Dornen oder Bitterstoffen, sondern auch mit Gift.

Tulpen, Rhododendron und Oleander bereichern viele Parks und Gärten. Kein Wunder, sind ihre Blüten doch echte Hingucker. Was aber nicht jeder weiß: Diese Pflanzen sind schön, aber nicht ungefährlich – zumindest, wenn man Teile von ihren verzehrt, denn sie enthalten Stoffe, die Übelkeit, Krämpfe und Verdauungsstörungen verursachen. Das ist zwar unangenehm, aber im Vergleich zu den Wirkungen anderer Giftpflanzen doch eher harmlos. Die wegen ihrer prachtvollen Blüten sehr beliebten Engelstrompeten etwa verfügen in allen Pflanzenteilen über ein Gift, das Bewusstseinsstörungen und Herzversagen hervorrufen kann. Wunderschön anzuschauen ist auch der Fingerhut. Der Verzehr seiner Blüten und Blätter führt jedoch rasch zu Sehstörungen und heftigem Erbrechen.


Handschuhe tragen

Ob giftige Pflanzen den eigenen Garten bereichern sollen, muss jeder selbst entscheiden. „Wichtig ist ein gewisses Grundwissen. Man sollte die entsprechenden Arten erkennen und richtig mit ihnen umgehen können“, erklärt Fred Fuchs, Gärtner von Eden aus Lenggries. „Die Gefahr vieler Giftpflanzen geht meist von Alkaloiden aus, die auch bereits beim Pflücken oder Spielen mit den Blüten über die Haut aufgenommen werden. Wer giftige Pflanzen pflegt, sollte deshalb Handschuhe tragen“, so der Experte  weiter.

Besonders kritisch ist das Thema, wenn Kinder und Haustiere zur den Gartenbenutzern gehören. Bunte Gewächse und Beeren beispielsweise üben gerade auf sie eine fast magische Anziehungskraft aus. „Man sollte Kinder unbedingt  über gefährliche Pflanzen im Garten aufklären. Meist verstehen sie sofort, dass sie hier vorsichtig sein müssen“, weiß Fred Fuchs aus Erfahrung.


Lust auf Mord

Rund 50 giftige Pflanzenfamilien gibt es in Europa, und einige Arten haben schon lange vor ihrem Einzug in die Gartengestaltung Berühmtheit erlangt. Blauer Eisenhut etwa ist die giftigste Pflanze Europas und war in der Antike und im Mittelalter als Lieferant von Mordgift sehr beliebt. Der römische Kaiser Claudius Papst Hadrian VI. sollen Anschlägen mit seinem Alkaloid Aconitin zum Opfer gefallen sein. Bekanntschaft mit dem todbringenden Gift des Schierlings musste der griechische Philosoph Sokrates machen. Er wurde 399 v. Chr. durch die Verabreichung des so genannten Schierlingsbechers hingerichtet.

Doch mit den Stoffen der giftigen Schönheiten lässt sich auch Gutes tun. So sind einige aus diesen Pflanzen gewonnene Wirkstoffe aus Medizin und Naturheilkunde nicht mehr wegzudenken. Das starke Gift des Fingerhutes beispielsweise gilt richtig dosiert als eines der wirkungsvollsten herzstärkenden Mittel und wird häufig bei Herzschwäche verordnet. Schwarzer Holunder wiederum wird durch Abkochen zu einem wirksamen Mittel bei Erkältung, Nieren- und Blasenleiden.


Respekt ja, Angst nein

Und auch im Garten können giftige Pflanzen optisch wahre Wunder vollbringen. „Wer sich entschließt, auf giftige Pflanzen im Garten zu verzichten, muss wissen, dass dann viele schöne Pflanzen bei der Gartengestaltung ausscheiden“, erklärt Fred Fuchs. Der Gärtner von Eden empfiehlt sich, beim Fachmann zu informieren und dann zu entscheiden. „Wer sich auskennt und mit den Gewächsen respektvoll und vorsichtig umgeht, kann sich dauerhaft an schönen Pflanzen wie Fingerhut und Oleander erfreuen.“

Text
Andreas Tenhafen