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Garten mit Aussicht

Wer sagt, dass ein Garten immer zu ebener Erde liegen muss? Auch in der dritten oder 13. Etage macht er eine gute Figur, vorausgesetzt, die Planung stimmt. Denn generell gilt zwar, dass auf Terrasse oder Dachgarten genauso wie im erdverbundenen Garten alles erlaubt ist, was gefällt. Aber natürlich gibt es dort oben ein paar Besonderheiten zu beachten.

Die eigene grüne Ruheoase mitten in der Stadt, die kleinere Nachfolgerin eines großen Gartens, die repräsentative Verlängerung des Lofts unter freien Himmel: Eine Dachterrasse kann viele Gesichter haben und ist damit für ganz unterschiedliche Typen von Immobilienbesitzern Refugium der Wahl.

Viel auf kleinem Raum

 „Wer dauerhaft Freude an seinem Dachgarten haben will, sollte auf jeden Fall mit einem Profi zusammenarbeiten“, empfiehlt Gartengestalter Jonni Borgmann aus Hamburg. Zu zahlreich seien die Stolperfallen und Fehlerquellen, zu hoch die erforderlichen Investitionen, von  oft diffizilen bautechnischen Details gar nicht erst zu reden. Borgmann plant und baut seit vielen Jahren Gärten – sowohl zu ebener Erde als auch in luftiger Höhe, und so weiß er um Unterschiede und Gemeinsamkeiten solcher Projekte. „Egal wo ein Garten liegt: Bei einer professionellen Gestaltung geht es immer darum, den Gartenbesitzern beziehungsweise -nutzern zu einem grünen Refugium zu verhelfen, dass ihren Sehnsüchten und Bedürfnissen optimal Rechnung trägt“, bringt es der Profi auf den Punkt, und diese gelte es im Rahmen der vorhandenen Bedingungen mit Leben zu füllen.

Die Anlage einer Dachterrasse erfordert zunächst eine intensive und fachkundige Auseinandersetzung mit der vorhandenen Bausubstanz: „Sowohl Statik als auch Abdichtung und Gefälle des Daches müssen stimmen, sonst melden wir Bedenken an, ob das Dach überhaupt für eine Nutzung als Dachgarten geeignet ist“, macht Wendelin Jehle deutlich. Mit seinem Betrieb Schleitzer baut Gärten realisiert er regelmäßig grüne Gartenträume auch in luftiger Höhe in und um München. „Eine Drainage muss unbedingt eingebaut werden, ein wurzeldichter Untergrund ist ebenfalls unerlässlich“, erklärt Jehle. Erst wenn der Schutz des unter der Dachterrasse gelegenen Gebäudes gewährleistet ist, können er und seine Kollegen an die Gartengestaltung unter ästhetischen Gesichtspunkten gehen.

Alles hängt zusammen

Dabei haben sie das Gesamtsystem Dachterrasse stets im Blick. „Ein Dachgarten lässt eine Substrathöhe von maximal 40 Zentimetern zu“, erklärt Jonni Borgmann, „also wählen wir natürlich nur Pflanzen aus, die nicht tiefer wurzeln müssen, um gut zu gedeihen.“ Doch ist es beileibe nicht nur die relativ geringe Bodenstärke, die die Pflanzenauswahl des Profis für den Höhengarten bestimmt: „Es geht um eine standortgerechte Pflanzung“, verdeutlicht Wendelin Jehle. „Dazu gehört, dass die ausgewählten Pflanzen mit den auf einer Dachterrasse meist extremeren klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Windbruchanfällige Pflanzen gehören hier ebenso wenig hin wie solche, die mit der oft großen Hitze nicht zurechtkommen.“ Ein weiterer Aspekt für die Pflanzenwahl ist ihr Wuchsverhalten: „Dachterrassen sind in der Regel nicht besonders groß. Entsprechend sollte bei der Bepflanzung darauf geachtet werden, dass die Dimensionen auch nach ein paar Jahren noch stimmen“, so Borgmann.

Neben der Bepflanzung gibt es noch reichlich andere Gestaltungselemente für Dachterrassen. In Sachen Bodenbelägen sind vom Holzdeck über Beton- und Natursteinplatten bis hin zu Kies- und Mulchbelägen viele Varianten denkbar. Wendelin Jehle empfiehlt jedoch in der Regel Naturstein: „Der ist einfach am langlebigsten. Außerdem wird Holz schnell rutschig, und in den Fugen zwischen den einzelnen Brettern kann sich einiges ansammeln, das man nicht mehr so schnell herausbekommt.“ Doch auch bei der Steinauswahl gilt es, genau hinzuschauen: „Am besten keine zu dunklen Sorten verwenden“, mahnt der erfahrene Gestalter. „Auf der Dachterrasse haben wir keine Bodenanbindung des Belags, er wird also nicht  von unten gekühlt. Außerdem ist die Sonneneinstrahlung oft besonders intensiv. Beides sorgt dafür, dass sich Bodenbeläge sehr stark aufheizen. Sind sie dann zu dunkel, können sie im Sommer barfuß gar nicht mehr begangen werden.“ Allein wegen der architektonischen Gegebenheiten in seiner Heimat arbeitet Nordlicht Borgmann hingegen sehr viel mit Holz: „Bei uns ist es oft erforderlich, die Terrassen aufzuständern, sie also nicht direkt auf die Dachfläche zu bauen, und das funktioniert am besten in Holz.“

Freie Sicht

Manche Dachterrasse thront derart über den Dingen, dass sie uneinsehbar ist. Ist das nicht der Fall, gehört zum Aufgabenkatalog des Gartengestalters natürlich der Sichtschutz. Der kann über Hecken in Hochbeeten oder großen Kästen genauso erzielt werden wie über Zaunelemente. Doch Obacht! Nicht alles hermetisch abschotten, sondern Fenster lassen, die einen Blick in die Umgebung ermöglichen. Das schafft Weite und verhindert, dass der Dachgarten allzu klein wirkt. Auch Wasser kann einen festen Platz auf einer Dachterrasse bekommen: Quellstein, Wasserwand oder Edelstahlbecken lassen sich hier realisieren und unterstreichen den Gartencharakter. „Wir haben sogar schon Koiteiche auf Dachterrassen gebaut“, erzählt Wendelin Jehle schmunzelnd. Ganz nebenbei sorgen Wasserflächen – und seien sie noch so klein – für eine Abkühlung der Luft und locken auch in der Stadt Tiere an.

Einhellig empfehlen Jonni Borgmann und Wendelin Jehle, die Wasserversorgung des Dachgartens einer elektronisch gesteuerten automatischen Bewässerungsanlage zu überlassen, und das, wie beide betonen „keinesfalls aus Bequemlichkeitsgründen“. Natürlich nehme eine solche Anlage dem Dachgartenbesitzer viel Arbeit ab, „aber in erster Linie geht es bei einer automatisierten Bewässerung immer um das Wohlergehen und die optimale Entwicklung der Pflanzen“, so Borgmann. Und da diese in luftiger Höhe ohnehin oft mit nicht ganz optimalen Bedingungen zu tun hätten, empfiehlt er, wenigstens für eine gut ausgesteuerte Wasserzufuhr zu sorgen.

Gut beschirmt

Eigentlich unverzichtbar für die meisten Dachterrassen und Dachgärten ist aufgrund ihrer exponierten Lage ein durchdachter Sonnenschutz. Neben praktischen Erwägungen in Bezug auf Flexibilität, zu beschattender Fläche und Handhabung stellt sich hier die Stilfrage.  Soll es ein Sonnenschirm, eine Markise oder ein Sonnensegel sein? Vielleicht passt stilistisch sogar eine grün berankte Pergola? Wichtig in jedem Falle: die Entscheidung für Modelle, die auch größerer Windlast standhalten. Markisen und Co. sollten, so empfiehlt Jehle, mit einem Windsensor ausgestattet sein.

Der Wert professioneller Gestaltung zeigt sich auch und gerade bei Nacht, denn zum Konzept für eine Dachterrasse gehört ihre effektvolle Beleuchtung. „Mit einer durchdachten Beleuchtung lässt sich der Wohnraum wunderbar nach draußen verlängern“, schwärmt Jonni Borgmann, und Wendelin Jehle setzt Beleuchtung gern sogar als Sichtschutz ein: „Wir planen das Licht so, dass es den Wohnraum gegen neugierige Blicke abschirmen kann“, erzählt er. Spätestens damit hat die gut gestaltete Dachterrasse das Zeug dazu, zu einer Rund-um-die-Uhr-Verlängerung des Wohnraumes nach draußen zu werden.

Text
Christiane Stoltenhoff