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Haus und Garten in perfektem Einklang?

Das ist das Ziel einer jeden guten Gartengestaltung. Wie das gelingen kann, zeigt eindrucksvoll dieses Beispiel.

Eigentlich hatten die Besitzer dieser Immobilie alles richtig gemacht: Schon während sie die umfangreichen Um- und Anbaumaßnahmen an ihrem Haus planten, zogen sie einen Gartengestalter hinzu, der dem runderneuerten Haus den passenden grünen Rahmen geben sollte. Doch was dieser umsetzte, gefiel den Hausbesitzern so wenig, dass sie sich zu einem radikalen Schritt entschlossen: Umgestaltung der Neugestaltung. Dafür heuerten sie mit Margareta Kulmann-Rohkemper aus Marl eine ebenso erfahrene wie stilsichere Gartenarchitektin an, die es mit viel Fingerspitzengefühl schaffte, den architektonischen und funktionalen Besonderheiten des Hauses ein rundum gelungenes grünes Pendant auf den Leib zu schneidern.

Das Spiel mit den Ebenen

Transparenz, eine klare funktionelle Zuordnung und eine Staffelung über drei Ebenen – das sind die herausstechenden Merkmale des Hauses. Und die finden sich allesamt in der Gartengestaltung wieder. Auch der Garten erstreckt sich nun nach der Umgestaltung über drei Ebenen, die einerseits für eine Strukturierung des Terrains sorgen und andererseits jede für sich eine klar definierte Funktion haben.

Tiefergelegt

Die eigentliche Geschichte dieses Gartens beginnt im Keller des Hauses. Hier erfüllten sich die Besitzer einen lang gehegten Traum und ließen sich ein Schwimmbad einbauen. Ihr Wunsch: Durch die großen Fenster sollte der Garten zu sehen sein. Während der zunächst beauftragte Gartenbauer hier lediglich einen Schotterhang anlegte, um das Gefälle abzufangen, nimmt das nun umgesetzte Konzept das Untergeschoss als dritte Wohnebene auf. Vor den Schwimmbadfenstern wurde weiteres Erdreich abgetragen, sodass hier ein wirklicher Lichthof entstehen konnte, der einen grünen Blick nach draußen eröffnet.

Entspannter Ausblick

In Verlängerung der Sichtachse aus den Schwimmbadfenstern und eine Ebene höher gelegen entstand ein ausgedehntes Holzdeck mit Loungemöbeln, das die erste von zwei Wohnebenen des Gartens markiert. Die Möbel sind farblich abgestimmt auf die mit Kalksteinschotter gefüllten Gabionen, die der Sitzecke Rückendeckung und dem Garten Begrenzung geben. Zusammen mit der alten Eiche, die lichten Schatten spendet, sorgen diese Elemente dafür, dass der Eindruck eines Wohnzimmers mitten im Grünen entsteht.

Essen – drinnen oder draußen?

Vollkommen fließend sind die Übergänge zwischen Innen- und Außenraum im Wintergarten. Dafür sorgen natürlich das Glasdach und die Glaswände. Letztere lassen sich bei gutem Wetter sogar völlig aufklappen. Zusätzlich holte die Gartengestalterin die Natur ins Haus, indem sie in den Wintergarten einen großen Olivenbaum pflanzte, der in seiner Knorrigkeit den teils rauen Charme des Gartens mit seinen vielen Schattenzonen und den zahlreichen unregelmäßigen Bruchsteinkanten aufnimmt. Zwei Wasserbecken aus Edelstahl unterstreichen den Gartencharakter im Innenraum und schlagen auch materialseitig die Brücke nach draußen, wo das glatte, glänzende Metall immer wieder als bewusster Gegenakzent zur urwüchsig anmutenden Natürlichkeit der Bepflanzung auftaucht.

Leitmotive

Neben dem freien Blick in den Garten bietet der Wintergarten auch die Aussicht auf einen eher schmalen Geländestreifen neben dem Haus. Hier war ein Sichtschutz wegen der unmittelbar angrenzenden Nachbarschaft unerlässlich. Doch auch dieser schlägt elegant den Bogen nach drinnen: Die glatten, grauen Oberflächen sind farblich auf den Innenraum abgestimmt, Zwischenräume zwischen den einzelnen Elementen sorgen dafür, dass der eigentlich undurchlässige Sichtschutz nicht zu massiv wirkt. Und als kleiner Hingucker schaut ein Buddha-Kopf in den Wintergarten – vielleicht auf sein Pendant, das sich am Fuße der Olive niedergelassen hat. In aufgelockertem Rhythmus schaffen die Sichtschutzelemente zudem den Übergang zu einer ein paar Stufen höher gelegenen weiteren Terrasse, auf der sich der intime Außenessplatz befindet.

Überschaubar

Auch die Dachterrasse im Obergeschoss des Hauses profitiert von der durchdachten grünen Kulisse. Beim Blick nach unten erschließt sich die im wahrsten Wortsinne vielschichtige Gartengestaltung, Strukturen werden sichtbar. Das Auge bekommt einiges geboten, ohne sich in einem Zuviel zu verlieren. Verbindendes Gestaltungselement sind die mit Kalksteinschotter gefüllten Gabionen, die die Gartenarchitektin nicht ganz freiwillig zu einem Leitmotiv der Gartengestaltung machte. Durch die vorangegangene Fehlplanung war dieses Material in großen Mengen vorhanden und sollte im Sinne der Ressourcenschonung eine Funktion im Garten finden. Geschickt ins Grüne eingebettet hat der Schotter nun seine Nüchternheit und Schärfe verloren.

Leuchtende Verbindung

Bei Dunkelheit verbindet eine regelrechte Lichtbrücke den Innen- und Außenraum. Die großen, fast rahmenlosen Fenster geben den Blick ungehindert frei – und zwar in beide Richtungen. Wer drinnen sitzt, kann ganzjährig die Aussicht auf einen zurückhaltend, indirekt illuminierten Garten genießen. Und wer es sich in der Loungeecke gemütlich gemacht hat, blickt auf eine anheimelnd warme Lichtkulisse. Dank des umgebenden alten Baumbestandes braucht in diesem Garten bei aller Transparenz niemand Angst vor ungewollten Einblicken zu haben.

Text
Christiane Stoltenhoff