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Wie jeder weiß, kommt der Bambus eigentlich aus Asien. Doch in der hiesigen Gartengestaltung hat er sich mittlerweile einen festen Platz erobert. Seine stilistische und funktionale Wandlungsfähigkeit macht das Süßgras einfach hochinteressant und vielfältig einsetzbar.

Bambus ist Bambus ist Bambus? Von wegen! Tatsächlich lassen sich weit über 1500 Arten in den verschiedensten Wuchsformen und Grüntönen zählen. Der gern verschenkte „Glücksbambus“ gehört allerdings nicht dazu: Dracaena Sanderiana, wie er fachsprachlich heißt, mag zwar für den Laien wie ein Bambus aussehen, ist in Wahrheit jedoch ein Liliengewächs. Allgemein bekannt ist wohl auch der sogenannte Riesenbambus – ein echter Vertreter dieser Pflanzenfamilie übrigens –, der in seiner asiatischen Heimat gerne einmal bis zu 40 Meter hoch in den Himmel ragt. Seine dicken, wuchtigen Rohre erinnern an Baumstämme, sind aber tatsächlich Halme. Die grünen Riesen zählen nämlich zur Familie der Süßgräser – so wie ihre kleineren, gartentauglichen Verwandten auch.

Bambus als Gartenpflanze

Vor rund 200 Jahren von einem französischen Seidenhändler erstmals nach Europa gebracht, gehört das asiatische Riesengras heute vielerorts zum festen Inventar im heimischen Grün, muss aber immer noch um seinen Ruf kämpfen: Zu fremdartig, zu expansiv, zu anfällig lauten die gängigen Vorurteile gegenüber dem asiatischen Gast. Einer, der der Faszination des Bambus schon vor langer Zeit erlegen ist und ihn gern und häufig, aber immer wohl überlegt in der Gartengestaltung einsetzt, ist Michael Busemann. Der Gärtner von Eden aus Viersen engagiert sich seit 15 Jahren in der European Bamboo Society, war jüngst in China, um das Süßgras in seiner Heimat zu studieren und weiß, worauf es ankommt, damit man auch als mitteleuropäischer Gartenbesitzer dauerhaft Freude an seinem Bambus haben kann: „Für das hiesige Klima eignen sich eigentlich nur rund 20 Arten", so der Bambusexperte. „Auf humosen, feuchten Böden gedeihen sie dann aber hervorragend.“ Doch bevor man sich für die eine oder andere Art entscheidet, empfiehlt Busemann, genau hinzuschauen, denn bei weitem nicht alles, was im Handel ist, ist auch per se für die Verwendung im Hausgarten geeignet. „Generell unterscheidet man zwischen zwei Wachstumstendenzen: dem halmstarken Phyllostachys sowie dem horstig wachsenden Fargesia, bekannt als Flachrohr- beziehungsweise Schirmrohrbambus“, erklärt er.

Möchte man seinen Garten mit dem robusten Ziergras bereichern, sollte dieses Vorhaben nicht ohne Planung angegangen werden. Andernfalls könnte ein teures Nachspiel blühen: So neigt der wuchsstarke Flachrohrbambus dazu, sich mit seinen Ausläufern unkontrolliert, unterirdisch und damit unbemerkt den Weg durch den Garten zu bahnen. Das Resultat ist oftmals eine zerstörte Teichfolie oder Terrasse, manchmal bekommt sogar der Nachbar unerwünschten Besuch oder das Fundament von Gartenmauer oder Haus kann Schaden nehmen. Zwar lässt sich der Expansionsdrang des Phyllostachys mit einer Rhizomsperre eindämmen, doch eignet sich dieser Bambus ohnehin nicht für jeden Garten, so Michael Busemann: „Phyllusstachys-Sorten brauchen sehr viel Platz – und den sollte man auch haben. Ist dies der Fall, bereichern sie mit ihrer klaren Linie und den dicken Rohren vor allem Design-Gärten.“

Wer hingegen seinem Genießer-Garten einen Hauch asiatischer Exotik verleihen möchte, dem empfiehlt er den ausläuferlosen Fargesia. Doch auch hier sollte man den Profi ans Werk lassen: „Im Handel werden einige Sorten angeboten, die einen sehr hohen Pflegebedarf haben und viel zu mächtig werden, zum Beispiel ‚Ruva‘ oder auch ‚Black Pearl‘. Im Hausgarten angepflanzt, führt das schnell zu Frust. Und dies wiederum befeuert den schlechten Ruf der Pflanze“, kritisiert der Experte.

Fachkundig eingesetzt, kann Bambus jedoch als vielseitiges Gestaltungselement genutzt werden. Ob als Solitär, vielleicht sogar optisch dominierendes Exemplar einer ganzen Bepflanzung, oder als asiatisch-reduzierter Hingucker am Teich, im Kübel oder Kiesbett: Bambus ist unglaublich vielfältig und wandlungsfähig. Weil immergrün, bereichert er das Gartenbild auch im Winter, und trotz seiner Kleinteiligkeit bringt er reduzierte Klarheit in den Garten und sorgt für einen optischen Ruhepol. Gleichzeitig verwandelt das Spiel des Windes in seinen Halmen und Blättern ihn in einen meditativen Hingucker, der Blühpflanzen einen wunderbar grünen Hintergrund bietet, vor dem ihre Farben besonders gut zur Geltung kommen. Doch nicht nur in stilistischer, sondern auch in funktionaler Hinsicht hat das Gras einiges zu bieten – zum Beispiel als immergrüne, pflegeleichte Hecke, die ganzjährigen Sichtschutz gewährleistet, oder im Kleinformat als dankbarer Bodendecker. Ein weiterer, wichtiger Vorzug: Bis zu minus 20 Grad Celsius können dem robusten Gras nichts anhaben.

Text
Sissy Niemann