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Grüne Raumgestaltung

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Grüne Raumgestaltung

Geteilte Freude ist doppelte Freude. Das gilt auch für den Garten: Wenn er in Räume untergliedert ist, in denen wir uns wohlfühlen, wird er genutzt. Oft strukturieren Mauern und Zäune ein Grundstück, doch für Gestalter gehört es zu den reizvollsten Aufgaben, Pflanzen dafür einzusetzen. 


Eine Bank, die vor einer mit Chinaschilf bewachsenen Rabatte steht, ein Sitzplatz unter der Krone des Apfelbaumes und eine blickdichte Eibenhecke, die den Garten einfasst: Pflanzen blühen nicht nur oder sorgen für Blattschmuck, sondern strukturieren ein Grundstück. Wenn dieses Gerüst harmonisch wirkt, halten wir uns gerne im Garten auf. Profis wissen, wie wichtig die Bildung von Räumen für die Atmosphäre ist und beginnen ihre Planung damit. Welche Gehölze, Gräser oder Stauden eingesetzt werden, hängt ganz davon ab, wie der Garten genutzt werden soll.


Wohlfühlen unter freiem Himmel

Gartenräume können viele Gesichter haben. Dabei geht es nicht nur um optische Unterschiede wie das Farbkonzept des jeweiligen Gartenteils. Je nachdem, ob er zum Entspannen, Arbeiten, Essen, Spielen oder Kochen genutzt wird, ändern sich die Ansprüche: Ein ruhiger Rückzugsraum sollte vor Blicken geschützt, eine Spielfläche für kleine Kindern hingegen gut einsehbar sein. Auch die Tageszeit ist wichtig: Wer den Garten eher am Abend nutzt, wird Wert auf einen Sitzplatz an der Westseite des Hauses legen, umgekehrt ist für ein Frühstück in der Morgensonne die Ostseite unverzichtbar.

Je vielfältiger ein Garten strukturiert ist, desto besser lässt sich das Leben nach draußen verlagern. Für Ralf Kappe, Gärtner von Eden aus Bergisch Gladbach, gehört es zum Alltag für seine Kunden Raumkonzepte zu entwickeln, die zur jeweiligen Situation passen: „Der Zuschnitt des Grundstücks spielt eine Rolle. Mit geschickter Untergliederung gewinnen auch ungünstig erscheinende Flächen an Qualität.“ Lang gezogene Gärten zum Beispiel lassen sich durch kurze Querriegel aus Hecken oder hohen Gräsern und Stauden in einzelne Bereiche gliedern und so auflockern. Diese Elemente nehmen einem schmalen Grundstück den „schlauchähnlichen“ Charakter und werten den Garten gestalterisch auf. Auch Bianka Reimann, Gärtnerin von Eden bei Josef Pötter in Gronau-Epe in der Nähe von Borken, setzt raumbildende Pflanzungen als belebenden Faktor ein: „Ein gut strukturierter Garten wirkt spannender und macht neugierig. Wir möchten wissen, was sich hinter einer Hecke verbirgt und den Garten entdecken. Natürlich muss das Gesamtkonzept stimmen und die einzelnen Räume harmonisch vereinen. Dann wirkt ein Garten klar und ruhig.“

Die richtige Balance zwischen Spannung und Ruhe zu finden, könnte in einem formalen Garten zum Beispiel so aussehen: Ein Garten ist durch mehrere Hecken zwar in verschiedene Räume gegliedert, doch alle Hecken bestehen aus einer Pflanzenart. Auf diese Weise fungieren die Hecken als optische Klammer, die den Gesamteindruck stimmig wirken lässt.


Konzepte entwickeln

Wie findet man heraus, wie der Garten gegliedert werden könnte? Zu sehen, was schon da ist, hilft zu erkennen, was werden könnte. Ralf Kappe nimmt den Bestand eines jeden Gartens deshalb genau unter die Lupe, bevor er Räume entwickelt: „Ich schaue mir an, welche Bäume und Gehölze den Garten prägen und suche nach Blickachsen, die einen Teil der Gestaltung vorgeben.“ Denn es geht nicht nur um das Abgrenzen von Räumen, sondern den spannenden Wechsel von Geborgenheit und Weite. Manchmal ist es genauso wichtig, zu erkennen, an welchen Stellen der Garten sich zur Umgebung öffnen sollte: Ein Kirchturm oder der Blick in die Landschaft rechtfertigt den Mut zur Lücke. Klassische Formschnittgehölze zum Beispiel ermöglichen es, Fenster in die Hecke zu schneiden.
Manche Räume sind schon längst da und es geht eher darum, sie wahrzunehmen: Ein stattlicher Walnussbaum bietet mit seinem dichten Laubdach nicht einfach nur Schutz vor Sonne und Regen, er spendet echte Geborgenheit. Wenn das Grundstück groß genug ist, erhalten Planer einen Baum nach Möglichkeit, integrieren ihn in das Gestaltungskonzept und werten ihn durch einen Sitzplatz oder eine einfache Bank auf.


Auch wenn es also immer darum geht, das Vorhandene zu erfassen und die Möglichkeiten für den Garten auszuloten, gibt letztlich die gewünschte Nutzung vor, wie die Räume definiert werden: Am Sitzplatz möchte man sich beispielsweise geborgen fühlen. Hier können akkurat geschnittene Eiben- oder Hainbuchenhecken Schutz bieten. Auch Ralf Kappe setzt die beiden Gehölze häufig ein, freut sich aber, wenn es einmal nicht geradlinig, sondern blumig sein darf: „Vor zwei Jahren haben wir auch einmal eine Hecke aus Rispenhortensien der Sorte ‘Limelight’ gepflanzt – traumhaft schön.“ Und ungewöhnlich, denn in Heckenform sieht man diese unkomplizierte Hortensiensorte selten – meist kommt sie eher als Solitär zum Einsatz.


Räume auf kleiner Fläche

Nicht jeder Garten hat Platz genug für breite Hecken oder große Bäume. Dann sind in Spalierform angebotene Gehölze erste Wahl. Gut sortierte Baumschulen bieten nicht nur klassische Obstspaliere, sondern auch horizontale und vertikale Wuchsformen anderer Gehölze an: Dachförmig gezogene Platanen spenden Schatten über dem Sitzplatz und verleihen diesem Ort den geschützten Charakter einer Zimmerdecke. Ist eher die Funktion eines Raumteilers gefragt, bieten sich vertikale Spaliere an. Bianka Reimann hat gute Erfahrungen mit dem im Herbst prächtig gefärbten Amberbaum (Liquidambar styraciflua) gemacht. Der Sichtschutz spielt bei dieser Art eine untergeordnete Rolle, da er meist als Hochstamm angeboten wird. Wer den Garten blickdicht gliedern möchte, kann auf schmale Rankgerüste zurückgreifen, die von Kletterpflanzen erobert werden.


Strukturen auf kleiner Fläche lassen sich auch mit Stauden und Gräsern erzielen. Sie gliedern den Garten zwar nicht ganzjährig, doch sie machen ihn spannend, da die Räume jedes Jahr mit dem Austrieb wieder neu entstehen. Bianka Reimann weiß das zu schätzen und empfiehlt für diesen Zweck vor allem hoch wachsende Sorten wie das Chinaschilf ‘Graziella’ und Stauden wie die Oktober-Silberkerze der Sorte ‘White Pearl’. Eine Bank kann durch symmetrisch zu beiden Seiten gepflanzte Stauden und Gräser in Szene gesetzt werden, während eine immergrüne Hecke dahinter das ganze Jahr über vor Wind und Blicken schützt. Durch diese Mischung sich ergänzender Pflanzen entstehen Räume, die harmonisch wirken ohne langweilig zu sein und gerne genutzt werden.


Text
Stefanie Syren