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Bäume im eigenen Garten sind eine feine Sache: Sie bilden Räume und sind natürlicher Schattenspender. Allerdings werden die meisten auch von Natur aus irgendwann ganz schön groß, die Gärten aber tendenziell immer kleiner. Die Lösung: Dach- und Spalierbäume. Und die machen tatsächlich nicht nur in kleinen Gärten eine gute Figur, sind sie doch mehr als die platzsparende Version des begehrten Hausbaums.

Wer über Spalierbäume spricht, muss über Erziehung sprechen - konsequente Erziehung. Denn die ist es, die in jahrelanger Arbeit in der Baumschule aus einem „normalen“ Baum einen Spalierbaum macht. Dabei spielt der Einsatz von Rohrstöcken eine wesentliche Rolle - oder wahlweise von Drähten, Holzlatten, Metallstangen. Jedenfalls braucht es ein stabiles Gerüst, um aus einer frei wachsenden Baumkrone ein in geordnete Bahnen gelenktes Spalier zu machen. Es gibt die Form vor, die die Baumkrone einmal haben soll, an seinen Streben werden die Leittriebe befestigt. Während bei Formgehölzen die Baumkrone lediglich in die gewünschte Form geschnitten wird, greift der Gärtner bei der Entwicklung eines Spaliers konsequent in die Baumkrone ein, zwingt Triebe in die gewünschte Richtung und entfernt andere.


Französische Erfindung

Ihren Ursprung hat diese Art der Pflanzengestaltung im Frankreich des 16. Jahrhunderts, und in dieser Zeit waren es immer Obstgehölze, deren Kronen dergestalt in Form gebracht wurden – kunstvoll vor Mauern aufgespannt ebenso wie freistehend. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die unterschiedlichsten Formen von Spalieren: gespreizt wie ein Handteller, Schirm oder Fächer, als rechteckiges breites Band, in einem oder auch mehreren U-Bögen oder wie ein Kerzenleuchter mit zwei senkrecht aufragenden Haupttrieben.

Heute sind es vor allem mehr oder weniger regelmäßige Rechtecke und Schirme und eher selten Obstgehölze, die Gartengestalter wie Daniel Müller vom Team Petrik, Gärtner von Eden aus dem sächsischen Oberwiera, gern in Gärten einsetzen. Dafür gibt es vielfältige Gründe: „Der wichtigste ist sicherlich, dass die Grundstücke heute oft eher klein sind und damit für Bäume mit freiwachsender Krone keinen Platz bieten.“


Sichtblende

Doch Spalierbäume stillen nicht nur die Sehnsucht des Kleingartenbesitzers nach einem Hausbaum., sie sind auch oft die Lösung eines seiner gravierendsten Probleme, das da heißt: mangelnde Privatsphäre. Schließlich sind kleine Gärten meist vor allem deswegen klein, weil sie in dicht bebauten Gegenden liegen, und das heißt: Die Nachbarschaft ist zahlreich - und vor allem nah. Da reicht meist ein Gang in die erste Etage, um Nachbars Garten in voller Ausdehnung betrachten zu können. Rückzugsort? Fehlanzeige! „Spalierbäume können wir quasi als schwebende Hecke einsetzen“, beschreibt Daniel Müller. „Wir verlängern also den Sichtschutz nach oben, so dass der Garten auch gegen Einblicke aus oberen Etagen abgeschirmt ist.“ Übrigens wirkt diese Art von Sichtschutz natürlich auch in umgekehrter Richtung, sorgt er doch dafür, dass Dinge aus der Umgebung, die einen Zaun überragen, hinter dieser grünen Sichtblende verschwinden.

Spalierbäume sind – back to the roots – im Übrigen ebenfalls eine charmante Möglichkeit, sich auch in seinem kleinen Garten eine eigene Apfel- oder Birnenernte zu sichern, denn natürlich gibt es auch weiterhin Obstspaliere. Und noch ein Tipp vom Experten: „Im Moment gibt es vielversprechende Versuche, auch Beerensträucher als Spaliere zu erziehen, so dass sich die Fruchtauswahl demnächst deutlich erweitern könnte.“


Gliedern und begrenzen

Doch auch Gartenbesitzern mit mehr als ein paar Quadratmetern Grund können Spalierbäume eine Menge Freude bereiten. „Auf größeren Grundstücken gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten“, erklärt Daniel Müller. „Natürlich ist auch hier Sichtschutz ein Thema. Außerdem kann man mit Spalierbäumen wunderbar Flächen gliedern, einzelne Gartenbereiche voneinander abgrenzen.“ Und hat man es mit schon parkähnlichen Anlagen zu tun, dann lassen sich mit Spalierbäumen wunderbare Effekte erzielen, wie sie schon die französischen Barockgärtner geliebt haben: Sie bilden, in langen Reihen gepflanzt, Sichtachsen mit einer Art Tunneleffekt, der Blicke und Besucher quasi einsaugt.


Horizontal oder vertikal

Genauso vielfältig wie ihre Einsatzmöglichkeiten sind auch die Gartenstile, in die sich Spalierbäume eingliedern lassen. Durch ihre von Menschenhand geformte Krone können sie wie grüne Skulpturen wirken und sind dementsprechend auch oft in geometrische Formen geschnitten. In solcher Form empfiehlt sie sich für moderne, geradlinige, architektonisch geprägte Gärten. Lässt man der Baumkrone etwas mehr Spielraum, verändert sich auch der Charakter des Spalierbaums: Er wirkt weniger streng, weicher, naturnäher. Ein Sonnenschutz aus Schirmplatanen macht sich dann natürlich besonders gut über einem gekiesten Sitzplatz mit gemütlichen Holzmöbeln und damit in von Naturnähe und Genießertum geprägten Gärten. Und zu guter Letzt gibt es sie auch heute noch, die wunderbaren Obstspaliere, die sich oft vor wärmespendenden Wänden aufspannen und dort Bauerngartenatmosphäre verbreiten.


Bäume der Wahl

Natürlich hat nicht jeder Baum Talent zum Spalierbaum, aber doch erstaunlich viele. Neben den klassischen Obstgehölzen wie Apfel und Birne, aber auch Kirsche und Pfirsich, macht sich etwa die Felsenbirne mit ihren dekorativen kleinen Früchten gut als Spalier. Unter den Nicht-Obstgehölzen zählen Platanen und Linden zu den Klassikern unter den Spalierbäume, Hain- oder Rotbuche bringen ebenfalls spannende Akzente in den Garten und Persischer Eisenholzbaum (Parrotia Persica besticht mit fantastischer Herbstfärbung. Und schließlich erinnert Daniel Müller an die goldene Regel, die für alle Pflanzungen gilt: „Wichtig bei der Auswahl ist, wie bei jeder Gartenpflanze, dass die Bedingungen vor Ort und die Ansprüche der Pflanzen zusammenpassen, also das, was der Fachmann eine standortgerechte Pflanzung nennt“.

Text
Christiane Stoltenhoff