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Der Frühling gehört den Blüten. An Früchte denkt man in dieser Jahreszeit noch nicht. Doch es lohnt sich, schon jetzt dafür zu sorgen, dass im Herbst Perlen an den Sträuchern reifen. Wer im März und April pflanzt, kann sich noch in diesem Jahr über dekorative Beeren und kleine Früchte freuen, die nicht nur als Vogelfutter dienen.


Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Text soll Lust auf jene kleinen Früchte machen, die die meisten eher mit den Augen als mit dem Gaumen genießen. Dabei sollte man diese verkannten Früchte nicht einfach am Strauch hängen lassen. Neben ihren optischen haben viele auch kulinarische Qualitäten und schenken zudem Gelassenheit: Man kann sie ernten, muss es aber nicht. Was am Strauch bleibt, hilft den Tieren beim Überwintern. Anders als Obst wie Äpfel oder Kirschen, deren Sorten für den Erwerbsgartenbau immer weiter gezüchtet wurden, standen die sogenannten Wildgehölze wie Holunder (Sambucus nigra) oder Sanddorn (Hippophae rhamnoides) jahrelang kaum im Fokus der Züchter. Da ihre Früchte klein und häufig weich sind, werden diese auch Beeren genannt. Aus wissenschaftlicher Sicht tragen jedoch weder Holunder- noch Sanddornsträucher Beeren. Ihr Samen ist von einer harten Hülle umgeben. Streng genommen handelt es sich deshalb um Steinfrüchte. Dass sie an dieser Stelle trotzdem Beeren genannt werden, möge der kundige Leser mit Nachsicht zur Kenntnis nehmen. Unabhängig von ihrer botanisch korrekten Bezeichnung haben Mini-Früchte wie die des Holunders einen Platz im Garten und in der Küche verdient.


"Black Lace" und "Haschberg"

Tatsächlich werden neben den bekannten Johannis- oder Brombeeren zunehmend Sträucher gepflanzt, deren Früchte bisher uninteressant schienen, erzählt Klaus Gröning, Gärtner von Eden aus Göppingen: „Die Wildsträucher müssen natürlich zum Gartenstil passen. Ich zwinge sie niemandem auf, aber es sorgt für Leben, wenn dort die Vögel Beeren finden oder ein Siebenschläfer im Gehölz unterschlüpft. Außerdem schmücken die Früchte den Strauch und viele schmecken sogar ganz gut.“ Besonders häufig pflanzt Gröning Holunder, einen alten Bekannten, der früher auf nahezu jedem Bauernhof wuchs. Längst ist die Art so beliebt, dass neue Sorten gezüchtet wurden: ‘Black Lace’ überrascht mit purpurfarbenem Laub und erinnert mit seinen geschlitzten Blättern sogar an Japanischen Ahorn. Und wer Wert auf einen besonders guten Ertrag legt, wird die Sorte ‘Haschberg’ pflanzen. Bevor die schwarzblauen Perlen in den Mund wandern, müssen sie allerdings in den Kochtopf. Denn die Holunderbeeren enthalten giftiges Sambunigrin, das Bauchweh verursacht. Erhitzen zerstört diesen Stoff und macht die Früchte zu einer idealen Marmeladen-Zutat.


Ein wenig säuerlich im Geschmack, aber auch in rohem Zustand unbedenklich, sind die länglichen Früchte der Kornelkirsche (Cornus mas), ebenso wie die Apfelbeere (Aronia melanocarpa). Und auch wenn man einen Teil dieser Früchte getrost den Tieren überlassen darf, schadet es überhaupt nicht, zuzugreifen. Ganz im Gegenteil: Diese Wildfrüchte enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe und gelten als besonders gesund. Ein weiterer Vorteil: Sie reifen im Herbst und wappnen das Immunsystem gegen die ersten Erkältungen der Saison. Ueli Leuthold, Gärtner von Eden aus Oberrieden im Kanton Zürich, empfiehlt Beeren vom Wildstrauch nicht nur aus medizinischer Sicht: „Sie passen in einen Naschgarten, und das finde ich gut, weil das Pflücken jeden Menschen mit seinem Garten und der Natur verbindet.“


Vor der Ernte kommt die Blüte

Wie schön, dass sich Wildgehölze nicht nur im Herbst schmücken. Was sich spät in der Saison zur Frucht entwickelt, war vorher natürlich eine Blüte. Der zartgelbe Flor der Kornelkirsche im März gehört zu den ersten Hinguckern im Garten, gefolgt vom weißen Blütenschleier der Schlehe (Prunus spinosa) und den Holunderblüten-Wolken im Spätfrühling. Letztere sehen nicht nur hübsch aus, sondern werden gerne zu Sirup verarbeitet, der sich in den vergangenen Jahren zur unverzichtbaren Cocktail-Zutat gemausert hat.


Das beste Beispiel für ein schmuckes Multitalent bietet aber die Rose. Dass ihre Blüten der unumstrittene Star des Frühsommers sind, wird kaum ein Gartenbesitzer bestreiten. Wer sich für Wildarten wie die Apfel-Rose (Rosa rugosa) oder die Büschel-Rose (Rosa multiflora) entscheidet, schmückt seinen Garten darüber hinaus im Herbst mit besonders vielen Hagebutten. Das Mark der Früchte enthält so viel Vitamin C, dass manche Rose als Hausapotheke genutzt werden kann. Gartengestalter Klaus Gröning pflanzt sie deshalb hin und wieder auch der Früchte wegen: „Die ‘Pillnitzer Vitaminrose’ bildet sehr viele Hagebutten, erinnert optisch an Wildrosen und blüht in reinem Rosa. Die kann ich empfehlen.“ Ueli Leuthold hat ebenfalls einen Tausendsassa in Rosa gepflanzt: „In meinem eigenen Garten wächst die Sorte ‘Clair Matin’. Das ist zwar keine Wildrose, aber sie macht sich sehr gut in der Vase. Und wenn man die Blüten nicht abschneidet, schmückt sie sich am Ende der Saison mit Hagebutten.“


Auf den Pflanzplatz kommt es an

Lebensraum und Futter für Tiere, vitaminreiche und dekorative Früchte – was spricht also gegen die Früchte im Miniaturformat? Nicht besonders viel, findet Klaus Gröning. Nach kurzem Überlegen fällt ihm doch etwas ein: „Die kleinen Früchte machen zumindest bei der Verarbeitung in der Küche ein bisschen mehr Arbeit als ein Apfel.“ Doch auf selbst gemachtes Mus aus Kornelkirschen würde er nur ungern verzichten. Auch Ueli Leuthold erntet gerne – mit einer Ausnahme: „An meinem Sitzplatz habe ich extra eine männliche Maulbeere gepflanzt. Sie trägt nämlich gar keine Früchte. Die herunterfallenden Maulbeeren würden mich an dieser Stelle stören. Den Baum schätze ich dort wegen seines schirmförmigen Wuchses.“ Dass die Früchte einiger Gehölze statt als Erntesegen als Schmutz empfunden werden, kennt er aus der Praxis: „Kornelkirschen würde ich zum Beispiel nicht direkt an einen Weg oder eine Auffahrt pflanzen.

Aufgeplatzte Früchte sind einfach nicht jedermanns Sache.“ Der als Vitamin-C-Bombe bekannte Sanddorn entfaltet seine Kräfte zuweilen an ungewünschten Stellen, erzählt Leuthold: „Seine Ausläufer können Wegplatten durchaus anheben.“ Generell abraten würde er deshalb trotzdem nicht: „Das gehört zu meinen Aufgaben als Fachmann, den optimalen Platz für die Pflanzen im Garten zu finden.“ Und mit einem regelmäßigen, professionellen Rückschnitt sorgen Gärtner dafür, dass die Gehölze in Form bleiben und niemandem über den Kopf wachsen.

Text
Stefanie Syren