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Klein? Schön!

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Klein? Schön!

Lässt sich Gartenglück in Quadratmetern messen? Keinesfalls! Jeder noch so kleine Garten hat das Zeug zum großen Glücksbringer. Man muss es ihm nur zutrauen und sein Potential zu heben wissen.

Für einen Gartengestalter macht es in der Herangehensweise zunächst einmal gar keinen Unterschied, ob ein Garten klein oder groß ist. Die Fragen, die es für ihn zu beantworten gilt sind, unabhängig von der Grundstücksgröße immer gleichen: Wer wird den Garten nutzen, was will er dort tun, wie viel Zeit und Energie steht für die Pflege zur Verfügung, welche Vorlieben hat der Gartenbesitzer? Dann gilt es noch, die individuellen Gegebenheiten des Grundstücks abseits seiner Größe zu erfassen: Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, Windverhältnisse, Umgebung. Soweit alles Routine. Und dennoch: Die Gestaltung kleiner Gärten erfordert eine besondere Herangehensweise, wie die folgenden Beispiele zeigen.


Regelrechtes Gartenglück

Wie aus dem Lehrbuch: Mit einfachen aber hoch effizienten Mitteln wurde hier aus einem langen, schmalen 160-Quadratmeter-Grundstück eine absolut individuelle, abwechslungsreiche und gleichzeitig harmonische Wohlfühloase. Die Planung beherzigt einige der wichtigsten Grundregeln für die Gestaltung kleiner Gärten, etwa den Verzicht auf eine Rasenfläche. Die macht auf kleinem Raum meist mehr Ärger als Freude, die durch einen Verzicht gewonnene Fläche erweitert hingegen das Spektrum der Gestaltungsmöglichkeiten.

Nächste Regel: dafür sorgen, dass nicht der gesamte Garten mit einem Blick zu erfassen ist; hier dadurch umgesetzt, dass die Bepflanzung so dicht und vielfältig ist, dass sie dem Betrachter reichlich Abwechslung bietet. Außerdem verlaufen die Beete nicht einfach geradlinig entlang der Grundstücksgrenzen, was den schlauchartigen Charakter nur unterstreichen würde. Vielmehr sind die üppig bepflanzten Beete mal breiter, mal schmaler, was zu Regel Nummer drei führt: das Grundstück in unterschiedliche Räume gliedern. Dies ist hier zum einen durch die Linienführung der Beete geschehen, zum anderen durch die Verwendung unterschiedlicher Bodenbeläge: Großformatige Schieferplatten wechseln mit hellem Kies – ein maximaler Kontrast von Groß und Klein, Dunkel und Hell und ein Signal an das Auge: Hier gibt es Einiges zu entdecken! Ebenfalls zur Gliederung tragen die beiden Betonsitzquader bei. Sie ragen als Querriegel in den Garten, dienen als Unterteilung ebenso wie als Blickfänge und tragen wesentlich zur Umsetzung von Regel vier bei: die Ausstattung auf das Wesentliche reduzieren.


Kleine Gärten brauchen Abwechslung, dürfen aber nicht von einer gar zu großen Detailfülle erschlagen werden. Die Betonsitzquader sind wunderbare Beispiele dafür, wie man das erreichen kann: Sie sind schlicht in der Form, hochwertig im Material, spannend in der Anordnung und vielseitig in der Funktion. Auch in der Farbgebung folgt das Konzept des Gartens der Maxime „Weniger ist mehr“. Vorherrschend sind Grüntöne in den unterschiedlichsten Nuancen, wenige Blühpflanzen setzen Highlights, beanspruchen aber nicht so viel Aufmerksamkeit, dass der Betrachter die Vielfalt an Wuchs- und Blattformen aus dem Blick verlieren würde. Als Blickfänge dienen leuchtend orangefarbene Kissen. Sie sind ein Paradebeispiel dafür, wie man mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielt – und dieser Garten zeigt, wie subtil gute Gestaltung ist: Wer den Garten oberflächlich betrachtet, denkt einfach: „Wow, toller Garten!“ Das einzelne Gestaltungselement fällt nicht ins Auge, es wirkt die Summe aller Elemente als vollkommen harmonisches Ganzes. So soll es sein, steht auch im Lehrbuch.


Großzügigkeit auf kleinem Raum

Wer genau hinschaut, sieht: Der Wohngarten dieses freistehenden Hauses besteht aus kaum mehr als einer Terrasse. Aber die ist großzügig dimensioniert und wirkt dank ihrer hellen, großformatigen Platten noch einmal größer als sie ohnehin schon ist. Auch hier wurde die Erkenntnis: „Weniger ist mehr“ beherzigt, und damit aus der kleinen Grundstücksfläche buchstäblich ein grünes Wohnzimmer herausgebildet.

Dass der Giebel des Nachbarhauses von der Terrassentür keine zehn Meter entfernt ist, fällt dank der geschickten Bepflanzung heute nicht mehr auf. Wo man früher auf eine weiß geflieste, fensterlose Fassade blickte, entfaltet sich heute eine üppige grüne Kulisse. Zwei handverlesene, mehrstämmige Kiefern ziehen mit ihrer besonderen Wuchsform die Blicke wie Kunstwerke auf sich, Bambus ragt üppig grün mehrere Meter in den Himmel. Dazwischen sorgen weiße und lila Blüten für dezente Farbtupfer. Bei aller Reduktion gibt es dennoch immer wieder Neues zu entdecken: Die großen Flusskiesel, mit denen das Beet belegt ist, sind jeder für sich ein Kunstwerk der Natur und bilden einen spannenden Kontrast zu den rechteckigen Terrassenplatten.

Die Terrasse wirkt regelrecht eingebettet ins Grün des Beetes, und ihren heimeligen Charakter unterstreicht die wohnliche Möblierung. Gleich drei in ihrem Charakter grundlegend unterschiedliche und doch miteinander harmonierende Sitzplätze finden hier nebeneinander Platz, ohne sich in die Quere zu kommen.


Zwei für einen

Ein zweiter Sitzplatz steht den allermeisten Gärten bestens zu Gesicht – und das ganz unabhängig von der Grundstücksgröße. Kleine Gärten profitieren bei geschickter Planung besonders von dem zusätzlichen Aufenthaltsort, ermöglicht er den Gartenbesitzern doch einen Perspektivwechsel, der ihnen buchstäblich einen anderen Blick auf ihren Garten eröffnet und so für die gewünschte Abwechslung sorgt. In diesem Beispiel ist der zweite Sitzplatz sogar der eigentliche Star des Gartens. Er liegt diagonal zur Hauptterrasse und besticht durch seine stilvolle Möblierung. Der festinstallierte Sonnenschirm sorgt für Schutz vor den Elementen. Doch bei aller Wertigkeit bleibt diesem Verweilort dadurch eine gehörige Portion Leichtigkeit erhalten, dass Möbel und Schirm auf Kies und nicht etwa einem Holzdeck oder einer mit Platten belegten Terrasse platziert sind. Die Kiesfläche erstreckt sich über weite Teile des Gartens und sorgt für ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Sitzplatz, Wegen und weiteren Flächen und damit für optische Großzügigkeit.

Großzügig wirkt auch das flache, rechteckige Wasserbecken, die Querung aus großformatigen Schrittplatten bringt eine Unterbrechung der Kiesflächen und schlägt buchstäblich eine Brücke zwischen den beiden Gartenteilen rechts und links des Beckens. Der Wechsel zwischen dem Großformat der Platten und der Kleinteiligkeit des Kieses bietet dem Auge genauso Abwechslung wie die gegensätzliche Farbigkeit dieser beiden Bodenbeläge.


Auf das Thema Abwechslung zahlt auch das Einbringen unterschiedlicher Bodenniveaus in den Garten ein. Entlang der Grundstücksgrenze verläuft ein Hochbeet, Richtung Haus wird der Sitzplatz von ebenfalls höher angelegten Pflanzflächen begrenzt. So erhielt das kleine Grundstück gliedernde Elemente, ohne den großzügigen Gesamteindruck zu zerstören.

Kleine Gärten gibt es zumeist dort, wo die Bebauung dicht ist. Entsprechend nah sind die Nachbarn, deshalb gehört Sichtschutz zu den wichtigsten Elementen der Planung eines kleinen Gartens – und zwar in zwei Richtungen: Zum einen will der Gartenbesitzer sein Refugium natürlich möglichst ungestört – und das heißt ungesehen – genießen. Zum anderen begünstigt es die Wohlfühlatmosphäre, wenn unschöne Dinge in unmittelbarer Umgebung aus dem Blickfeld genommen werden. In diesem Garten geht der Sichtschutz deshalb über zwei Etagen: Neben den schlicht-eleganten Holzelementen hält an der einen Grundstücksseite ein Spalier aus Platanen neugierige Blicke aus den oberen Etagen der Nachbargebäude ab.

Doch nicht nur als nach oben verlagerter Sichtschutz machen Spalierbäume in kleinen Gärten eine gute Figur. Sie sind auch eine schöne Möglichkeit, sich auch auf kleinstem Raum einen Hausbaum zu gönnen, denn dadurch, dass ihren Kronen gewissermaßen die dritte Dimension aberzogen wurde, sind sie nicht so ausladend und passen damit gut in kleine Gärten.


In die Natur versunken

Dieser Wohngarten ist kaum mehr als ein Sitzplatz und dennoch wähnt man sich mitten in der Natur. Das liegt daran, dass er zur einen Seite von einem brusthohen Hochbeet eingefasst wird. Dadurch rückt die Bepflanzung ins Blickfeld derjenigen, die es sich am Tisch gemütlich gemacht haben, ist mit ihnen sozusagen auf Augenhöhe. Zu Füßen der Trockenmauer, die das Hochbeet begrenzt, findet sich eine weitere, wenn auch schmale Pflanzfläche und im Hochbeet selbst reckt sich neben einigen Solitärgehölzen eine dichte immergrüne Hecke. So wurde der Mangel an Pflanzfläche hier durch eine Höhenstaffelung ausgeglichen, die wie eine Theaterkulisse perspektivisch ansteigt und so mehr Tiefe und Üppigkeit vorspiegelt, als auf dem beschränkten Raum eigentlich möglich ist. Gleichzeitig ist die Pflanzenauswahl vielfältig. Auch das erweckt den Eindruck von Größe.

Die gerade im kleinen Garten so wichtige Abwechslung bekommt das Auge auch durch die Materialauswahl geboten. Das kreisrund verlegte Kleinpflaster des Sitzplatzes bildet einen spannungsreichen Kontrast zu den schlicht rechteckigen Platten des angrenzenden Gartenteils. Blickfang sind die Quader der Trockenmauer, die durch ihren stetigen Formatwechsel dem Auge immer wieder neue Ankerpunkte bieten.


Hofgarten mit Pflanzenschau

Dieser kleine Garten bekam bei seiner Umgestaltung den Charakter eines Innenhofes verliehen, zu drei Seiten umgeben von hohen Sichtschutzelementen. Dass man sich trotz der Höhe des Sichtschutzes auf der kleinen Fläche nicht eingeengt fühlt, liegt zum einen daran, dass unterschiedliche Sichtschutzelemente im Wechsel eingesetzt wurden. Das verhindert, dass der Zaun zu dominant und mächtig wirkt. Zum anderen lässt die Bepflanzung der umlaufenden Beete mit ausgewählten Solitären den Sichtschutz buchstäblich in den Hintergrund treten.

Trotz der beschränkten Fläche setzt das Pflanzkonzept auf Vielfalt, konzentriert sich nicht, wie häufig für kleine Gärten empfohlen, auf einige wenige Arten und Sorten. Dafür wurde hier bewusst auf Massenpflanzungen verzichtet, stattdessen eine Konzentration auf das einzelne Pflanzenexemplar vorgenommen. So ist jede Pflanze ein Einzelstück und damit in den Rang eines Kunstwerks erhoben. Die Pflanzenauswahl erfolgte zudem mit einem guten Blick für Details, so dass der Betrachter hier auf engstem Raum die unterschiedlichsten Grüntöne, Blatt- und Wuchsformen entdecken kann.


Besonderer Blickfang ist der grüne Fächerahorn mit dem quaderförmigen Quellstein. Das Kiesbeet, in dem die beiden stehen, wurde Richtung Gartenmitte platziert und sorgt so für eine Gliederung der Fläche.

Beim Blick auf den Boden zeigt sich die Varianz ein und desselben Materials: Kanfanar, ein heller Kalkstein aus Istrien, kam hier in unterschiedlichen Formaten und Verlegearten zum Einsatz. So bleibt das Bild farblich einheitlich, ist aber gleichzeitig abwechslungsreich.

In diesem Garten zeigt sich auch eindrucksvoll, wie ein kleiner Garten von einem durchdachten Beleuchtungskonzept profitieren kann. Lichtquellen im hinteren Gartenbereich lassen das Grundstück tiefer erscheinen ebenso wie mit einzelnen Spots von unten angeleuchtete Solitäre.


Text
Christiane Stoltenhoff