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Die Gärten der Gestalter

Die Aura eines Schattenstandortes

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Schatten als Schokoladenseite

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Schatten als Schokoladenseite

Er gilt als Problemzone und manchmal sieht er auch so aus. Dabei bietet der Schatten die Chance, das Gesicht des Gartens um eine gestalterische Facette zu erweitern. Die Vielfalt der Pflanzen, die nur wenig Licht zum Leben brauchen, ist überraschend groß. Wer diese Auswahl nutzt, wird die besondere Aura dieses Standorts entdecken.

Die wenigsten Grundstücke sind komplett beschattet, doch selbst wer einen nach Süden ausgerichteten Garten hat, wird auf der Nordseite des Hauses zumindest einige Quadratmeter haben, die wenig Licht bekommen. In vielen Fällen liegt dort der Vorgarten. Hier lohnt es sich besonders, die Pflanzen sorgfältig zu einem lebendigen Willkommensgruß für Gäste und nicht zuletzt sich selbst zu komponieren. Der Schlüssel zur Schönheit des Schattens liegt häufig in der genauen Beobachtung des eigenen Gartens. Nur wer die Bedingungen richtig beurteilt, wird auch die passenden Pflanzen wählen. Dabei lohnt es sich, Wunsch und Wirklichkeit voneinander zu trennen.


Den Standort akzeptieren

Manchmal sieht man es auf den ersten Blick: eine Rose, die in einer feuchten, dunklen Ecke des Gartens kümmert, gesäumt von wenigen Quadratmetern Rasen, der eher aus Moos als aus Halmen besteht. Weder Rosen noch Rasen werden im Schatten gut gedeihen. Vorprogrammierte Enttäuschungen sollte man vermeiden, zumal es viele Alternativen gibt, die an der gleichen Stelle üppig wachsen würden. Pflanzen so zu wählen, dass sie optimal zum Standort passen, gehört zum kleinen Einmaleins eines Gärtners. Andreas Leucht, Gärtner von Eden aus Stuhr bei Bremen sieht den Schatten nicht als Störfaktor: „Meist werde ich nicht speziell für die Gestaltung eines Schattenbeetes beauftragt, sondern für den gesamten Garten. Da gehören schattigere Plätze meist dazu. Für mich sind das aber nicht die Problemzonen, ganz im Gegenteil. Bei entsprechender Pflanzenauswahl können sie sogar leuchten.“ Zumal Schatten nicht gleich Schatten ist. Manche Beete liegen unterhalb von Laubgehölzen und bekommen im Winter und Frühjahr so viel Sonnenlicht, dass Schneeglöckchen und Blausternchen unterhalb der Gehölze durchaus einen Blütenteppich ausrollen können.

Manchmal lässt sich mit den Nuancen des Schattens auch spielen, erzählt Arthur Ferber, Geschäftsführer der gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaufirma in Dinkelscherben bei Augsburg: „Eines meiner reizvollsten Projekte ist ein Garten, der überwiegend aus großen Bäumen besteht. Wir haben dort ganz bewusst für einen fließenden Übergang zwischen Garten und Natur gesorgt.“ Je weiter man sich vom Haus entfernt, desto natürlicher und schattiger wird die Anlage, bis sie schließlich einen waldähnlichen Charakter hat. Dort, wo es möglich war, wurde aus einem vollschattigen Standort ein halbschattiger gemacht, indem Bäume aufgeastet und Kronen geschnitten wurden. Die Abfolge der unterschiedlichen Standorte macht den Garten interessanter und die Auswahl geeigneter Pflanzen größer.


Das Ensemble zusammenstellen

Sobald die Licht- und Bodenverhältnisse klar sind, beginnt die schwierigste und zugleich schönste Aufgabe für den Gärtner: die Komposition der Pflanzen. Andreas Leucht verrät eine gestalterische Faustregel, an die er sich in eher schattigen Gartenteilen hält: „Dort vermeide ich dunkle Farben und setze zum Beispiel auf Arten mit hellem, gelblichem oder geflecktem Laub.“ Zu seinen Favoriten gehört die Forellenlilie (Erythronium x hybrida) der Sorte ‘Pagoda’, die noch relativ selten gepflanzt wird und ihre gelben Blüten ab April zeigt. Die Zwiebelpflanze macht sich gut als Begleiter zum gelbgrün leuchtenden Goldbandgras (Hakonechloa macra) der Sorte ‘Aureola’ das erst später austreibt und die Beete bedeckt. Ebenso wie die Funkien (Hosta), die in so vielen Grüntönen und mit unterschiedlich gezeichneten Blättern zu haben sind, dass Sammler gar nicht genug davon bekommen können. Besonders auffällige Lichtreflexe zaubern weiß gezeichnete Sorten, wie ‘Fire and Ice’ in die Beete. Helle Töne sind nicht nur bei Blättern, sondern auch bei Blüten von Vorteil: Das Tränende Herz (Dicentra spectabilis) ist eher in Pink bekannt, wirkt in seiner weiß blühenden Form als Sorte ‘Alba’ elegant und zaubert Licht in den Schatten. Nicht einmal auf eine begehrte Farbe wie leuchtendes Himmelblau muss man im Schatten verzichten: Lerchensporn (Corydalis flexuosa) und das Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) blühen in diesem faszinierend klaren Ton.

Nach diesen Frühlings- und Frühsommerblühern fällt der Vorhang noch nicht: Die grüne Leinwand der spät austreibenden Funkien und Farne bleibt ohnehin bis zum Ende der Saison erhalten und bietet einen idealen Hintergrund für Spätzünder wie die Herbst-Anemonen (Anemone x hybrida). Die bekannteste weiße Sorte ‘Honorine Jobert’ wirkt durch ihre gelben Staubgefäße alles andere als unterkühlt. Das gilt auch für die Wachsglocke (Kirengoshima palmata), die ihre gelben Blüten ab August entfaltet und zu einer buschigen, rund 70 Zentimeter hohen Staude heranwächst. 


Wie im Märchenwald

In einem Schattengarten wie ihn Arthur Ferber konzipiert hat, lässt sich unterhalb hoher Laubbäume der natürliche Charakter der Anlage durch die Auswahl typischer Waldpflanzen unterstützen. Waldmeister (Gallium odoratum) und Buschwindröschen (Anemone nemorosa) breiten im Frühling ihre kleinen weißen Blüten zu Füßen der Gehölze aus, bevor der Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) seine Wedel entrollt. Doch ganz ohne Pflege kommt selbst ein natürlich wirkender Garten nicht aus, erzählt Ferber: „Der Wurmfarn gedeiht im Waldgarten meiner Kunden so gut, dass wir ihn an einigen Stellen regelmäßig entfernen.“ Garten bedeutet Kultur, auch im Schatten. Doch vermeintliche Defizite, wie Lichtmangel oder Abgeschiedenheit können zu Pluspunkten werden, wenn diese Teile des Gartens nutzbar gemacht werden – zum Beispiel mit einem Sitzplatz. 

Dass man sich hier im Sommer lieber als in der prallen Sonne aufhält versteht sich von selbst, aber auch die Atmosphäre kann anziehend wirken, auch zu anderen Jahreszeiten. Arthur Ferber hat im Garten seiner Kunden eine Bank unter die Buchen gestellt, die einlädt, die fast schon verwunschene Stimmung wahrzunehmen: „Das ist ein sehr sinnlicher, ruhiger und geheimnisvoller Ort, in dem man wunderbar abschalten und träumen kann. Die Bäume bilden ja auch Räume, vermitteln Geborgenheit und schaffen einen Rückzugsraum aus dem Alltag“, erzählt Ferber. Wer die poetische Facette des Schattens entdeckt und durch Pflanzen betont, wird diesen Standort zu schätzen wissen.

Text
Stefanie Syren