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Seitenstreifenparadiese

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Seitenstreifenparadiese

Sie führen oft ein Dasein als Mauerblümchen und werden bei der Gartengestaltung eher selten berücksichtigt: die schmalen Gartenstreifen neben dem Haus. Dabei verdienen diese Bereiche kreative Aufmerksamkeit, bergen – wenn man sich ihnen gestalterisch erst einmal widmet – ungeahntes Potential und können sogar zu einem wunderbaren zusätzlichen Gartenraum werden.

Neben dem Haus führt ein karger Rasenstreifen in den hinteren Gartenteil, ein paar Trittplatten auf dem Boden weisen den Weg – vorbei an Mülltonnen und -säcken, dem ausgedehnten Fuhrpark der Familie, dem achtlos zur Seite gelegten Gartenschlauch und der großen Regentonne. Die mannshohen Holzzaunelemente bräuchten dringend einen neuen Anstrich und die Gehölze, die aus Nachbars Garten herüberwachsen, einen Rückschnitt. Auf einem Spaziergang durchs nächstbeste Wohnviertel mit freistehenden Einfamilienhäusern dürfte sich dem aufmerksamen Beobachter an mehr als einer Stelle ein solcher oder zumindest vergleichbarer Anblick bieten. Die Rede ist von zwar intensiv genutzten, aber in gestalterischer Hinsicht vernachlässigten Grundstücksbereichen. 


Vergessene Gartenteile

Bei vielen Gartenbesitzern gerät die Gestaltung der meist schmalen Grundstücksstreifen rechts und links des Hauses tatsächlich völlig in Vergessenheit. Sie scheinen zu schmal, zu schwierig, zu unwichtig. Den Löwenanteil an gärtnerischer Aufmerksamkeit bekommt verständlicherweise der Wohngarten, und schon der Vorgarten, der ja zumindest aus Prestigegründen ebenfalls schön anzusehen sein sollte, führt oft nur ein Schattendasein.

Dass es daneben noch weitere Grundstücksteile gibt, die durch eine durchdachte Gestaltung tatsächlich in den Rang eines eigenständigen Gartenraums oder gar eines Wohlfühlortes erhoben werden könnten, wird dabei völlig übersehen. Doch gerade bei eher kleinen Grundstücken sollte man dieses Potential nicht ungenutzt lassen. Außerdem sind diese Seitenstreifen oft von der Straße einsehbar und tragen mit ihrer Gestaltung – wie der Vorgarten– maßgeblich zu dem Eindruck bei, den Besucher und Passanten von einem Grundstück bekommen.


Herausforderung als Chance

„Zugegeben: Diese Streifen können gestalterisch eine Herausforderung sein“, weiß auch Michael Schmahl, Geschäftsführer von Gärtner von Eden Rhein-Main-Taunus. „Sie sind schmal, oft von Hauswand, hohem Zaun oder großen Gehölzen beschattet und intensiv als Abstell- oder Transferfläche gefragt. Da braucht es ein durchdachtes Konzept, um sie funktional zu halten, sie gleichzeitig aufzuwerten und so harmonisch an die anderen Gartenteile anzubinden.“ Doch seiner Erfahrung nach lohnt der Aufwand: „Hier lassen sich tatsächlich vollwertige zusätzliche Gartenräume schaffen.“ Bei seinen Planungen münzt er Eigenschaften, die auf den ersten Blick nachteilig erscheinen, in Vorteile um. So ist die oft vollschattige Lage der Seitenstreifen für einen Wohngarten sicherlich unschön. Interpretiert man den schmalen Streifen neben dem Haus aber als zusätzlichen Gartenraum und legt dort einen heimeligen Sitzplatz an, beschert man seinen Besitzern einen an heißen Tagen angenehm temperierten Rückzugsort.

Weiteres Beispiel gefällig, wie man aus einem vermeintlichen Mangel einen Gewinn machen kann? Da sie meist lang und schmal sind, entsprechen die Grundstücksstreifen neben dem Haus nicht der Idealvorstellung von einer gut gestaltbaren Fläche. Wer aber zum Beispiel schon immer eine Boulebahn in seinem Garten haben wollte, findet hier vielleicht den idealen Standort dafür. „Die Herausforderung besteht darin, das Grundstück so anzunehmen, wie es ist, und ihm sein ganzes Potential zu entlocken“, findet auch Jethro Machacek, Gartengestalter beim Bayreuther Gärtner-von-Eden-Mitglied Feustel Gärten und Ideen. 


Ganz für sich und bei sich sein

Durch ihre etwas abgesonderte Lage können die Seitenstreifen neben dem Haus wunderbar in individuelle Rückzugsorte mit durchaus hoher Aufenthaltsqualität verwandelt werden. Das gilt nicht nur für den schon erwähnten Schattensitzplatz für den Sommer, sondern zum Beispiel auch für einen Kinderspielbereich: „Wenn der Nachwuchs so groß ist, dass die Eltern ihn nicht mehr ständig beaufsichtigen müssen, ist so ein eigenes kleines Gartenreich eine tolle Sache“, weiß Michael Schmahl aus Erfahrung. „Und der Wohngarten profitiert ästhetisch in den meisten Fällen auch von der Verlagerung des Spielbereichs auf einen weniger gut einsehbaren Grundstücksteil.“

Auch für eine Gartendusche könnte der Platz neben dem Haus – entsprechend gestaltet – der ideale Ort sein. Von Nachbarhäusern oft nicht einsehbar, kann man sich hier in aller Ruhe abkühlen, und Richtung Straße reicht ein einfaches Sichtschutzelement, um die gewünschte Privatsphäre zu schaffen.


Funktional und schön gleichzeitig

Wer seine Seitenstreifen nicht für die Schaffung zusätzlicher Gartenräume entbehren kann, sondern sie weiterhin als Funktionsbereiche braucht, sollte ebenfalls gestalterisch tätig werden, empfiehlt Jethro Machacek: „Auch funktionale Bereiche eines Gartens lassen sich ansprechend gestalten und mit einem durchdachten Plan oft auch noch etwas funktionaler machen“, ist seine Erfahrung. So können Fahrzeuge einen vor der Witterung geschützten Abstellplatz bekommen oder die Mülltonnen eine zum Stil des Hauses passende Einhausung – vielleicht sogar begrünt. „Sollten auf dem Seitenstreifen befestigte Flächen entstehen – seien es Wege oder auch Abstellflächen –, sollten dafür Materialien verwendet werden, die sich auch andernorts im Garten finden“, rät Michael Schmahl. „Das sorgt für ein harmonisches Gesamtbild.“

Generell rät er zu großformatigen Bodenplatten, um die meist ohnehin kleine Fläche nicht unnötig zu zergliedern, gibt aber auch zu bedenken, dass die Seitenstreifen oft nur schwer oder gar nicht für Baumaschinen zugänglich sind. Sind sie außerdem noch schattig, trocknen Wege und Flächen nur schlecht ab. Deshalb rät der Experte von der Verwendung von Holz ab, während Steinplatten eine möglichst glatte Oberfläche haben sollten, um eine allzu rasche Bildung von Grünbelag zu verhindern. 


Lebendige Gestaltungselemente

Nicht vergessen sollte man bei aller Funktionalität das, was ein Grundstück erst zum Garten macht: die Bepflanzung. Die trägt maßgeblich zu einer Aufwertung dieser Grundstücksbereiche bei, will aber mit Blick auf die hier oft nicht ganz einfachen Bedingungen wohl durchdacht und fachkundig ausgewählt sein. Schatten, viel Feuchtigkeit und ein sehr begrenztes Platzangebot sind die prägenden Faktoren. Doch Jethro Machacek macht Mut:„Die Zahl der Pflanzenarten – auch der blühenden –, die unter solchen Bedingungen gedeihen, ist groß.“ Astilben, Bergenien oder Hortensien können sich hier zum Beispiel wohlfühlen, und im Frühjahr bringen Blumenzwiebeln Farbe auch in diesen Gartenteil.

Das Anlegen eines Rasens in schattiger Lage ist hingegen weniger empfehlenswert. „Unter diesen Bedingungen kann Rasen nicht richtig wachsen und wird eher aus Moos als aus grünen Halmen bestehen“, prophezeit Michael Schmahl. Als Rasenersatz empfiehlt er beispielsweise die Laugenblume: Die robuste Staude bildet einen moosartigen Teppich mit gelben Blüten, den Gartenbesitzer problemlos betreten können. Ebenfalls wichtig für die Gestaltung eines solch kleinen Gartenteils ist, sich darüber im Klaren zu sein, wie groß die einzelnen Pflanzen einmal werden. „Für die Gartenstreifen eignen sich beispielsweise kleinwüchsige Rhododendren oder auch verschiedene Ahornsorten, die durch ihre Laubfärbung tolle Kontraste in den Garten bringen und besonders im Herbst Akzente setzen“, empfiehlt Jethro Machacek.

„Überhaupt gibt es zahlreiche sehr schöne, auch für kleine Gartenbereiche geeignete Bäume, die nur einige Meter hoch werden beziehungsweise klein gehalten werden können, wie zum Beispiel Blütenhartriegel, Mönchspfeffer, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch, Schneeball-Arten, Felsenbirne oder Glanzmispel.“ Bei baulichem Sichtschutz sind außerdem die örtlichenbaurechtlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen, und Bäume sollten in einem Abstand von mindestens zwei Metern zum Nachbargrundstück gepflanzt werden. Zudem sollten Gehölze, Hecken oder andere Pflanzen nicht die Hausmauern des benachbarten Grundstücks berühren, um die Bildung von Grünbelag und damit eine Beschädigung der Fassade zu vermeiden. 

Text
Juliane Geller