Aktuelles

Köstliche
Köpfe

Mehr erfahren
Es grünt & blüht

Stumme Diener

Mehr erfahren
Planen & Gestalten

Das Haus mit den
zwei Gärten

Mehr erfahren

Vielfalt ist Trumpf

Es grünt und blüht

Vielfalt ist Trumpf

Dunkelrot und duftend präsentiert sich ’Konrad Adenauer’, zu seiner Rechten ’Marie Antoinette’ in elegantem Elfenbein und im Vordergrund ’Heidi Klum’ in schrillem Pink. Im richtigen Leben konnten sich diese Prominenten zwar nie begegnen, die nach ihnen benannten Rosen wachsen jedoch problemlos nebeneinander. Wem diese farblich gewagte Kombination nicht gefällt, der kann auf unzählige Alternativen zurückgreifen. Keine andere Pflanze bietet so viele verschiedene Kultursorten, rund 30.000 sind es mittlerweile.

Auch wenn das Züchten einer neuen Sorte heutzutage hochprofessionell betrieben wird und bis zu 500.000 Euro kosten kann, scheint es, als habe die Rose das gewisse Etwas einfach schon immer ausgestrahlt. Darstellungen ihrer Blüte finden sich auf Grabsteinen, die schon über 1.500 Jahre alt sind. Damals wie heute galt sie als Symbol immerwährender Liebe und es überrascht nicht, dass auch Aphrodite in der Mythologie mit Rosen bedacht wird. Der Sage nach entstieg die Liebesgöttin einer Meeresbucht vor Zypern. Nach dieser „Wassergeburt“ soll sich der Schaum der Brandung umgehend in eine weiße Rose verwandelt haben. Eine wunderbare Vorstellung und nur eines von zahllosen poetischen Sinnbildern rund um die Rose. Im Gegensatz zu anderen Blütenpflanzen, wie der zwischenzeitlich verpönten Dahlie, die derzeit ein Comeback erlebt, kam die Rose nie aus der Mode. Sie gilt als unentbehrliche Zutat für jeden Garten.


Konkurrenzloser Klassiker

Selbst erfahrene Gartenprofis geben zu, dass sie von der stacheligen Schönheit fasziniert sind. Cornelia König, Inhaberin von Meißner Gartengestaltung in Garbsen, gerät ins Schwärmen, wenn sie an Rosen denkt: „Mich begeistert das Königliche und es ist immer spannend, auf ihre ersten Blüten zu warten. Wenn sie dann aufblühen, sind sie einfach unglaublich schön! Historische Rosen mag ich besonders. Ihr Duft am Morgen und Abend ist unbeschreiblich! Sorten wie die weißen, umwerfend duftenden ‘Boule de Neige’ und ‘Félicité et Perpétue’ gehören ebenso zu ihren Favoriten wie die anspruchslose ‘New Dawn’, die ihre porzellanrosafarbenen Blüten den ganzen Sommer über zeigt.

Auch Reinhard Wahlers, Geschäftsführer von Wahlers – Ihr Gärtner von Eden in Scheeßel ist nicht nur von Berufswegen ein großer Fan der Rose: „In meinem Garten wächst zum Beispiel die Englische Rose ’Gertrude Jekyll’. Sie ist für mich eine der am besten duftenden Sorten überhaupt. Auch ’Louise Odier’, die zwar schon Ende des 19. Jahrhunderts gezüchtet wurde, ist immer noch empfehlenswert. Und die mit ihren ungefüllten Blüten an Wildrosen erinnernde ’Mozart’ trägt nach dem Flor derart viele orangerote Hagebutten, dass sie auch nach dem Frost noch ein Schmuckstück im Garten ist.“ Ganz anders, im Gewand einer Edelrose, präsentiert sich die Sorte ’Nostalgie’, die Wahlers wegen ihres Farbspiels schätzt. „Außen zeigen sich die Blütenblätter kirschrot und innen cremeweiß. Das ist natürlich Geschmackssache.“ Stimmt, macht aber gar nichts, denn die Vielfalt der Rose ist so groß, dass für jeden Geschmack die passende Sorte wächst. 


Was kommt, was geht, was bleibt

Mag sein, dass es sich bei einem über alle Moden erhabenen Dauerbrenner wie der Rose verbietet, nach Trends zu fragen, doch auch Ihre Majestät ist ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes. Das weiß auch Friedrich Klute, Inhaber des gleichnamigen Betriebs in Sundern: „Meine Kunden fragen verstärkt nach nostalgischen Rosen mit gefüllten Blüten und großen Knospen. Besonders beliebt sind derzeit Rosa- und Apricottöne. Und ganz egal, in welcher Farbe eine Rose blüht, sie muss natürlich duften. Das ist einfach ganz wichtig.“ Schönheit mit Duft zu vereinen, das scheint das Erfolgsrezept der Rose zu sein. Dabei ist sie ihren Konkurrenten stets eine Nasenlänge voraus. Während Lavendel oder Hyazinthe mit ihrem Odeur nicht jedermanns Geschmack treffen, scheint der Duft einer Rose nahezu alle Menschen zu berühren.

Reinhard Wahlers pflanzt intensiv duftende Rosen deshalb gerne in die Nähe von Sitzplätzen. Auch für seine Kunden ist neben der Blütenfarbe der Duft entscheidend: „Der Duft ist einfach das romantische Element. Jeder, der einen Strauß Rosen geschenkt bekommt, riecht sofort an ihnen, das ist schon fast ein Reflex. Allerdings duften die meisten Schnittrosen nicht so intensiv, weil hier das Hauptaugenmerk der Züchter auf der Haltbarkeit liegt. Bei den Gartenrosen ist das ganz anders und ich kann aus einer großen Palette Duftrosen wählen.“ Wobei auch die Gartenbesitzer des 21. Jahrhunderts keine in Duftwolken schwelgenden Romantiker sind. Neben üppiger Blütenfülle und zartem Odeur stellen sie ganz pragmatische Ansprüche. Pflegeleicht und gesund sollte eine Rose heute auf jeden Fall sein, anfällige Sorten verschwinden allmählich aus den Sortimenten. Während bis weit in die 1980er Jahre mit der Rose oft noch ganz selbstverständlich die obligatorischen Spritzmittel gegen Mehl- und Sternrußtau über den Ladentisch wanderten, möchten die meisten Gartenbesitzer heute einen Garten in Bioqualität. Robuste Sorten sind deshalb gefragt wie nie, zumal meist die Zeit fehlt, um einen kränkelnden Rosenstock aufzupäppeln.


Gepflanzt werden Rosen zunehmend im Juni, dann sind sie in Töpfen als so genannte Containerware erhältlich. Diesen Trend dürften Profis allerdings eher skeptisch beurteilen, der beste Zeitpunkt zur Pflanzung ist eigentlich der Herbst. Die Rosen werden dann in ihrer Ruhephase verpflanzt, können vor dem Frost noch gut einwurzeln und treiben im Frühjahr mit voller Kraft aus. Übrigens ist ab Oktober, wenn die Rosenstöcke wurzelnackt, also ohne Erdballen, geliefert werden, auch die Sortenauswahl am größten. 


Begleiter gerne in Blau

So schön sie auch sein mag, allein gepflanzt, zu ihren Füßen nichts als nackte Erde, wirkt selbst eine Rose zuweilen trostlos, zumal die Rabatte auch vor und nach der Blüte noch ein Blickfang sein sollte. Andererseits gehört es zum kleinen Einmaleins der Rosenpflege, ihr einen freien, luftigen Stand zu ermöglichen. Die entsprechenden Begleitpflanzen sollten ihr daher förmlich zu Füßen liegen und sie nicht bedrängen. Zu den derzeit besonders gefragten pastelligen Sorten passen blau blühende Begleiter wie Katzenminze oder Storchschnabel sehr gut. Diese Blaublüter stehen auch bei Reinhard Wahlers hoch im Kurs: „Ich finde Salbei passt ganz toll zu Rosen. Bei vielen meiner Kunden habe ich dieses Pflanzenpaar gepflanzt und sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Jeder Garten ist anders, entsprechend vielfältig werden die Rosen von professionellen Gestaltern kombiniert. Freidrich Klute paart die blauvioletten Blütenbälle des Zierlauchs häufig mit Rosen und setzt strukturierende Pflanzen ein: „Gräser pflanze ich auch sehr gerne dazu. Ihre Grünschattierungen lassen die Blütenfarben strahlen und mit Raureif überhaucht sind sie auch im Winter ein Blickfang.“ Neben Stauden und Gräsern gehört in jedem Fall die Clematis zu den klassischen Rosenbegleitern, auch Cornelia König setzt den Kletterer gerne ein: „Die Kombination von Rose und Clematis ist wirklich toll. Ich wähle meist Sorten, die nach den Rosen blühen, dann hat man eine besonders lange währende Blüte.“

Darf es ein bisschen mehr sein

Von Rosen kann man einfach nicht genug haben. Darin sind sich Laien wie Profis einig und weil weltweit pro Jahr rund 100 neue Sorten auf den Markt kommen, ist für Nachschub stets gesorgt. Friedrich Klute möchte in seinem eigenen Garten demnächst die leuchtend weiße Kleinstrauchrose ’Schneeflocke’ pflanzen und Reinhard Wahlers sucht derzeit noch nach einem Platz für den wüchsigen Kletterer ’Bobbie James’. Cornelia Königs Wunschliste wird von der intensiv duftenden ’Persian Rose’ angeführt. „Am liebsten hätte ich sie schon im Sommer als Container-Rose gepflanzt, aber ich muss mich noch gedulden, bis sie im Oktober wieder lieferbar ist.“ Ein echter Star wie die Rose kann es sich eben leisten, andere warten zu lassen.

Text
Stefanie Syren