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Große Hitze, sintflutartige Regenfälle, heftige Stürme, lange Trockenperioden: Das Wetter scheint heute mehr und vor allem häufiger Extreme bereitzuhalten als früher. Dafür sollte man auch seinen Garten rüsten.

Zentimeterhoch steht das Wasser auf der Rasenfläche und kann tagelang nicht abfließen, weil der Boden vom immer wieder auftretenden Starkregen der letzten Wochen vollkommen durchnässt ist. Solche Bilder sieht Gartengestalter Ralf Kappe in den letzten Jahren immer häufiger. „Das Wetter verändert sich“, ist der Gärtner von Eden aus Bergisch Gladbach überzeugt. „Wir haben es immer häufiger mit extremen Wetterereignissen zu tun“, so seine Beobachtung – und zwar in zwei Richtungen: wiederholt viel zu viel Niederschlag in extrem kurzer Zeit auf der einen Seite und auf der anderen sehr lange Phasen ganz ohne Regen, teils bei großer Hitze.


Vorbereitet sein

Weder auf das eine noch auf das andere Phänomen – und schon gar nicht auf eine Mischung aus beiden – sind nach der Erfahrung von Ralf Kappe die Gärten heute vorbereitet – und die Gartenbesitzer übrigens auch nicht. „Ich hatte bisher noch keine einzige Anfrage eines Gartenbesitzers, der sich erkundigt hätte, wie man seinen Garten gegen Wetterextreme rüstet“, erzählt Kappe. Gleichwohl müssen Gartenbesitzer aber immer häufiger schmerzlich erfahren, dass so manche Pflanze dem Überangebot an Feuchtigkeit oder auch extremer und lang anhaltender Trockenheit nicht gewachsen ist. Kappes Fazit: Gärten soweit es geht, auf Wetterextreme vorbereiten. Besonders im Fokus: der Rasen. „Er liebt eigentlich leichte Feuchtigkeit, kommt auch mal mit ein bisschen Trockenheit zurecht, darf aber weder ganz austrocknen noch dauerhaft im Nassen stehen“, fasst der Gartengestalter die Idealbedingungen für den grünen Teppich zusammen.

Um den grünen Teppich auch unter erschwerten Bedingungen möglichst gesund und vital zu erhalten, setzt Ralf Kappe neben robusten Rasensorten auf eine Dainierung: Unter dem Rasensoden legt er eine fünf bis zehn Zentimeter starke drainierende Schicht aus feinkörnigen Lava-Splitt-Gemischen an. Die sorgt dafür, dass überschüssige Feuchtigkeit sofort aus dem Wurzelbereich des Rasens abfließen kann und verhindert so schädliche Staunässe. „In Trockenperioden bringt das allerdings keinen Vorteil“, erklärt Ralf Kappe. Da ist Bewässerung die einzige Lösung, etwa mit in die Rasenfläche integrierten Versenkregnern.


Gezielte Auswahl

Doch nicht nur der Rasen hat mit den Wetterextremen zu kämpfen: Stauden und Gräser sind ebenfalls betroffen. So mögen es viele der besonders beliebten Gräsersorten, etwa Chinaschilf oder Lampenputzergras, eher trocken; ihnen macht also vor allem der Starkregen zu schaffen. Das gilt auch für trockenheitsliebende Stauden wie Lavendel, Salbei oder Mexikonessel. Stehen sie zu lange zu nass, verkürzt das ihre Vegetationsperiode oder versetzt ihnen gar den Todesstoß. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt Ralf Kappe, die Drainfähigkeit des Bodens durch Splitte großflächig zu verbessern.

Natürlich gehört die standortgerechte Pflanzung eigentlich zum kleinen gärtnerischen Einmaleins. Allerdings wird dieses Vorgehen, das eine langlebige und gesunde Pflanzung annähernd garantierte, durch die zunehmenden Wetterextreme erschwert. Deshalb richtet Ralf Kappe sein Augenmerk verstärkt auf solche Arten und Sorten, die aus Regionen der Erde stammen, in denen seit jeher ähnliche Wetterphänomene herrschen, wie man sie in unseren Breiten erst in jüngerer Zeit erlebt: „Gehölze aus den verschiedensten Regionen der Erde haben sich im Laufe der Zeit hieran angepasst. Esskastanie, Amber- oder Schnurbaum und Gleditschie dürften langfristig zu den Gewinnern der Wetterveränderungen gehören“, prognostiziert er. Eher schwer haben dürfte es hingegen in Zukunft etwa die Birke, vor allem, wenn die Frühjahre sehr trocken bleiben. Dann stockt der Austrieb, es bilden sich nur wenige und zu kleine Blätter.

Bei den Stauden betont Ralf Kappe den Stellenwert sorgfältiger Planung und zählt auf, dass es auch unter den Klassikern durchaus solche gibt, die mit Extremen gut zurechtkommen: Astilbe, Storchschnabel und Wolfsmilch zum Beispiel, während etwa das Purpurglöckchen damit zu kämpfen hat.


Mehr Schädlinge und Krankheiten

Doch die Wetterveränderung hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf viele Pflanzen. Mittelbare Folge ist ein zunehmender Pilz- und Schädlingsbefall: Die viele Feuchtigkeit begünstigt die Vermehrung von Pilzsporen, so dass Krankheiten wie Mehltau auf dem Vormarsch sind. Auch die kürzer werdenden Kälteperioden tragen dazu bei: Es bleibt mehr Zeit, in denen Schädlinge und Sporen sich vermehren können. Statt als Reaktion auf diese Entwicklung vermehrt zu chemischen Mitteln zu greifen, empfiehlt Ralf Kappe auch hier, sich intensiv mit der Sortenwahl auseinanderzusetzen. So sei die Ölweide eine tolle Alternative für den zunehmend von Mehltau gebeutelten Kirschlorbeer.

Im Übrigen sind es nicht nur die Pflanzungen, auf die man vor dem Hintergrund eines sich verändernden Wetters im Garten einen kritischen Blick werfen sollte. Auch das Thema Entwässerung wird zunehmend wichtiger. Wo innerhalb kürzester Zeit sehr viel Regen fällt, sollten Vorkehrungen getroffen werden, dass dieser möglichst gut abfließen kann. Dazu gehört vor allem, das Grundstück großflächig versickerungsfähig zu haöten.  „Aus ästhetischer Sicht ging der Trend lange dahin, möglichst großformatige Bodenplatten einzusetzen und den Fugenanteil so gering wie möglich zu halten. Um die Ansiedlung von Unkraut zu verhindern, wurde dann noch gern mit festen Fugen gearbeitet. Das macht eine rasche Versickerung von Oberflächenwasser nahezu unmöglich" fasst Ralf Kappe zusammen. Unter dem Aspekt der Versickerung empfiehlt er kleinere Formate, einen höheren Fugenanteil und ein durchlässiges Fugenmaterial, etwa Sand oder für Parkflächen Schotterrasen statt des klassischen Pflasters.


Text
Christiane Stoltenhoff